Bist du manchmal unsicher? Ich auch.

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Ich bin oft unsicher. Unsicher, ob das, was mir mein Gegenüber erzählt, wirklich stimmt. Unsicher, ob der Weg, den ich gewählt habe, der richtige ist. Ob das, was ich schreibe, das ist, was ich wirklich sagen wollte. Vor allem: Ob es bei euch so ankommt, wie ich es sagen wollte. Ich denke manchmal, ich denke zu viel nach, ein Kreislauf, der schwer zu überwinden ist. Außer durch Entscheidungen. Das ist eine Erkenntnis, die ich für mich selbst gelernt zu haben scheine: dass Entscheidungen zu treffen der einzige Weg ist, um Unsicherheiten zu überwinden, der effektivste und der, der mich persönlich weiterbringt. Wenn ich zu lange nachdenke, zwinge ich mich zum Entscheiden, mit dem Kopf durch die Wand. Das ist meine Taktik gegen die Unsicherheiten, vor die mich das Leben immer wieder stellt. Tag für Tag.

Diese Unsicherheiten prägen das Leben von uns allen. Was uns jedoch unterscheidet, ist die Art, damit umzugehen. Ob wir sie so stark emotionalisieren, dass wir in ihnen zu versinken drohen. Oder ob wir sie gewollt leichtfertig verdrängen, weil wir Angst davor haben, dass unsere Emotionen an die Oberfläche kommen könnten. Weil Unsicherheit schwach macht, uns schwach fühlen lässt. Starke Menschen kennen ihren Weg, wissen, wie sie ihn gehen, schauen nicht zurück. Sie scheinen einfach intuitiv zu wissen, was sie tun müssen, um ihr Leben zu meistern. Sie sitzen nicht stundenlang da, grübeln vor sich hin und kommen doch zu keinem Schluss. Unsicherheiten sind wie Steine, große Mauern, die uns in den Weg gestellt werden, die uns in einem Labyrinth verschwinden lassen, in dem wir uns verirren und irgendwann kraftlos zusammensacken. Kraftlos sein, das ist etwas, was unsere Gesellschaft nicht verstehen kann, nicht verstehen will. Unsicherheit ist ein Gefühl, das uns zwar allen bekannt ist, aber das nicht öffentlich gezeigt werden soll. Selbstreflektiert? Ja, bitte. Aber verschone doch dein Umfeld mit deinen tiefen Gedanken und vor allem mit all diesen unnützen Fragen, die du dir Tag für Tag stellst. Behalt sie für dich, die Fragen. Steh zu dir selbst, sei mal stark. Denk doch nicht so viel nach. Das bringt ja sowieso nichts.

Vielleicht schreibe ich auch genau aus dem Grund einen Artikel über dieses Thema, weil ich weiß, dass ich das selbst nämlich gar nicht so gut hinbekomme. Ich weiß, dass ich viele Fragen zurück halte, weil ich das Gefühl habe, dass sie nicht verstanden werden. Manchmal. Oft. Ich schreibe sie auf, so wie jetzt. Ist das das Gleiche? Ich weiß es nicht.

Es ist so viel leichter, eigene Unsicherheiten zu verbannen, nicht länger darüber nachzudenken und sie schlichtweg nicht in den eigenen Weg kommen zu lassen. Sich den eigenen Unsicherheiten zu stellen, braucht so viel mehr Mut. Dabei ist genau das eine wichtige Fähigkeit: Die Verunsicherungsfähigkeit. Weil Unsicherheit auch oftmals heißt, Dinge zu hinterfragen und sich Gedanken zu machen. Weil es heißt, nicht einfach hinterher zu laufen, sondern stehen zu bleiben und sich zu fragen, ob die eigenen Taten Sinn machen, gut sind. Es sind nicht die Menschen die stärksten, die es schaffen, ihre Unsicherheiten am meisten von sich wegzuschieben, am wenigsten darüber zu reden und ihre Ängste nicht zu kommunizieren. Eigentlich sind doch die Menschen so viel stärker, die sich ihrer Unsicherheiten bewusst werden, versuchen, sie zu verstehen und zu überwinden. Der letzte Schritt lässt sich leichter schreiben als umsetzen, leichter sagen als berücksichtigen. Ich versuche es trotzdem.

2 Comments

  1. Krissi says:

    Das hast du echt richtig schön geschrieben und du hast soo recht! Wir alle sind mal unsicher – die Einen seltener, die Anderen häufiger. Aber jeder ist es zumindest ab und zu mal. Die Unsicherheiten zu verdrängen, von sich wegzuschieben mag einfach sein. Aber das hilft einem auf Dauer nicht weiter. All das Weggeschobene staut sich an und bricht irgendwann hervor und dann wird man unter seinen Unsicherheiten und Ängsten begraben. Da wieder rauszukommen ist viel schwerer als sich direkt mit den aufkeimenden Fragen und Problemen zu beschäftigen. Ich finde es so schade, dass man in unserer Gesellschaft keine Schwäche zu zeigen scheinen darf, schon gar nicht auf den Socialmedia Kanälen. Das scheint ein absolutes Tabu zu sein, was ich überhaupt nicht verstehen kann. Was soll daran schlecht sein, auch mal Negatives mit der Welt zu teilen, Dinge, die einen belasten? Ich finde es gut, dass du mal Klartext geredet (geschrieben) hast und so offen und ehrlich warst. Das sollte jeder von uns tun und sein und das viel Öfter. Warum zur Hölle sollte es weiterhin tabu sein, über Probleme und Unsicherheiten zu reden – etwas, das jeder von uns kennt und hat?

    Ganz liebe Grüße,
    Krissi von the marquise diamond
    http://www.themarquisediamond.de/

    1. ANNA says:

      Hi liebe Krissi,
      danke mal wieder für deinen Kommentar :)
      Ich denke, es ist ja irgendwie klar, dass niemand seine Schwächen öffentlich zeigen möchte, weil man sich damit auch angreifbar macht – aber genau das zu tun, ist meiner Meinung nach sehr mutig und wichtig für unsere gesamte (Internet-)Gesellschaft.
      Ganz liebe Grüße an dich!

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