Gedanken: Und auf einmal leben wir alle ein anderes Leben

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Auf einmal leben wir alle ein anderes Leben. Wir sitzen hier, reden über die Zukunft, und meinen alle eine andere. Unterschiedliche Wege, unterschiedliche Zeiten, Abschnitte, Ziele. Wir reden nicht mehr über dasselbe. Und das ist irgendwie neu.

Früher redeten wir nicht über die Zukunft, sondern über das Jetzt, und es fühlte sich so gleich an. Der gleiche Alltag, die Schule, der Beginn um acht Uhr, das Ende um eins, Mittagessen, Freizeit. Ein Zirkel. Von Anfang bis Ende ganz. Überschaubar. Erkennbar. Wir lebten so, wie es uns gezeigt wurde, wie es die einzige Möglichkeit schien, wie es von uns erwartet wurde. Das war okay so, damals. Nur, dass damals noch gar nicht so lange her ist.

Jetzt haben wir irgendwie, unbemerkt und schleichend, entdeckt, wie das Leben wirklich ist. Wie weit der Horizont, den wir uns selbst erschließen können. Dass sich Grenzen überwinden lassen, dass wir für uns und unser eigenes Glück verantwortlich sind.

Jetzt haben wir irgendwie, unbemerkt und schleichend, entdeckt, wie das Leben wirklich ist. Wie weit der Horizont, den wir uns selbst erschließen können.

Jetzt ist die Zeit, in der wir begriffen haben zu leben, in der alles auf unseren eigenen Schultern liegt und gleichzeitig uns alle Last der Welt genommen wurde. Wir sind so frei wie wir sein wollen, wir sind wohl erwachsen, können es zumindestens sein – aber so, wie wir es uns früher nie erahnt hätten. Erwachsensein hieß immer: arbeiten, groß werden, so groß, dass wir nicht mehr hochschauen müssen, eigene Kinder bekommen, Verantwortung. Vielleicht in dieser Reihenfolge, vielleicht auch nicht, vielleicht haben wir uns darüber auch gar keine Gedanken gemacht. Und jetzt heißt Erwachsensein so viel mehr, so viel, mit dem wir nie gerechnet hatten. Dieses Leben so zu erkennen, erfüllt uns mit einem Gefühl, dass wir lange nicht kannten. Vielleicht ist das ja der erste Schritt zum Erwachsenwerden – und gleichzeitig die Erinnerung daran, dass wir das Kind und die Träume in uns selbst niemals sterben lassen dürfen.

 

Bild via unsplash (daanstevens)

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