Gedanken: Über das Wetter, bei dem wir immer das richtige Outfit tragen

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Ich mag den Herbst. Sämtliche Freunde von mir können das bestätigen, da ich diesen Satz in den letzten Tagen überdurchschnittlich oft und mit überdurchschnittlich ausgeprägter Euphorie von mir gegeben habe. Die kühle Luft, das goldene Licht, die wunderschönen Farben. Ich mag den Herbst.

Aber ganz besonders mag ich den Herbst, weil wir hier immer das richtige Outfit tragen. Wir alle, irgendwie. Im Sommer ist es stets zu heiß, im Winter zu kalt. Man sieht aus wie eine überreife Tomate, obwohl man schon das leichte Kleidchen herausgekramt hat. Oder man hüpft wild auf und ab um sich zu wärmen, obwohl man an Pulli, Schal und Handschuhe gedacht hat. An Herbsttagen aber ist das egal: Es ist okay, ein Top zu tragen und darüber nur eine leichte Strickjacke. Genauso ist es okay, den groben Strickpulli herauszukramen. Mit Schal wird man genauso wenig schräg angesehen wie mit dem Sommerrock. Das richtige Outfit ist nichts, mit dem man sich einreiht. Das richtige Outfit ist das, was man gerade in der Hand hatte, in dem man sich wohl fühlt.

Im Herbst gibt es kein Richtig und kein Falsch: Wem ein bisschen wärmer ist, der trägt die leichte Variante. Wer schnell friert, nimmt die Extraschicht. Hier sagt niemand morgens zu dir: „Frierst du nicht?“ oder „Ist dir nicht heiß in diesem Outfit?“. Im Herbst sind wir frei davon, im Herbst können wir tragen, was wir wollen – es ist niemals die falsche Wahl.

Doch vielleicht geht es auch gar nicht um den Herbst, nicht um das Wetter allein. Denn, ganz ehrlich: Bei niedrigen Temperaturen frieren wir alle, und wenn plötzlich die Sonne herauskommt ist uns allen heiß. Vielleicht machen wir uns im Herbst einfach nur frei von diesem Gefühl. Dem Gefühl, uns einordnen zu müssen. Dem Gefühl, dass es nur einen richtigen Weg, nur eine richtige Variante, nur eine richtige Outfitwahl gibt.

Der Herbst, die Jahreszeit in der in der Natur um uns herum alles zu sterben scheint, ist gleichzeitig immer ein neuer Anfang. Seit dem Kindergarten fing alles Neue, alles Aufregende im Herbst an. Von der Einschulung bis zu den ersten Tagen an der Uni: Der Herbst bringt die Abenteuer mit sich.

Und vielleicht geht es deswegen auch gar nicht so sehr um unser Outfit. Vielleicht geht es einfach nur darum, wie wir uns darin fühlen. Ob wir den Mut zu Neuem haben oder ob wir an dem Alten zu sehr festhalten. Vielleicht denke ich auch gar nicht an das, was wir anhaben. Sondern an das, was in unseren Köpfen hervorgeht. Wenn die Blätter fallen, sind wir alle ein bisschen mehr frei. Ein bisschen mehr mutig in unserer kleinen Welt. Ein bisschen mehr wir selbst in alldem, was wir uns zutrauen. Und vielleicht können wir dieses Gefühl mitnehmen. Auch wenn der Winter kommt.

2 Comments

  1. Tatjana says:

    Das hast du echt schön geschrieben :) Bin gerade zufällig auf deinen Blog gestoßen und mir gefällt die Art, wie du schreibst. Die letzten Zeilen deines Textes haben mir eine Gänsehaut gezaubert, weil du einfach Recht hast, mit dem, was du schreibst. Ich liebe den Herbst auch und du hast mir dazu gerade eine völlig neue Inspiration und Gedankenanstöße gegeben. Vielen Dank :) Ganz liebe Grüße von mir zu dir, Tatjana

    1. ANNA says:

      Danke für die netten Worte, liebe Tatjana! :) Es freut mich wirklich sehr, wenn ich dich inspirieren konnte. Ganz liebe Grüße!

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