Generation 2018: Wieso ausgerechnet wir die Welt verändern können

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Das letzte Jahr war ein sehr politisches Jahr. Geprägt von Trump, geprägt durch ein Wahlergebnis, das enttäuscht und nachdenklich macht, von neuen Diskussionen rund um Einwanderung, Abschaffung von Klimazielen, polarisierenden Meinungen und dementsprechend langen Balkongesprächen. Es fühlt sich seltsam an, dass wir in einer so modernen Welt leben, die sich so schnell dreht und uns mit so vielen, neuen, aufregenden Begebenheiten und Erfindungen konfrontiert – und wir sie trotzdem von so vielen alteingesessenen Problemen prägen lassen.

Auf subtile Art und Weise haben es rechte Bewegungen geschafft, unsere Diskussionen mit Begriffen zu prägen, die eigentlich lange aus unserem Sprachgebrauch verschwunden waren – und das schließlich aus gutem Grund. Auf einmal ist öffentlich von “Leitkultur” und “Obergrenzen” die Rede. Und nahezu keine Proteste. Ein Gewährenlassen. Ein Agenda-Setting der Rechten, die den Diskurs für sich bestimmen und Themen aufwühlen will, die sie für sich nutzen können. Probleme in den Vordergrund stellen, die der Großteil von uns vielleicht gar nicht als Problem erkannt hätte. Phänomene “erklären”, die uns wahrscheinlich nie aufgefallen wären.

Und wir lassen es zu. Wir lassen einen Diskurs zu, der vom rechten Spektrum immer mehr geprägt wird. Wir lassen zu, dass es vor der Bundestagswahl hauptsächlich um Flüchtlingsfragen ging, anstatt um andere, die unser Land mindestens genauso beschäftigen. Wir lassen zu, dass eine “Obergrenze” anscheinend so mehrheitsfähig geworden ist, dass sie im Sondierungspapier von Union und SPD festgesetzt wurde.

Wir sind an der Reihe einen neuen Diskurs zu gestalten: Wir, die Generation für 2018, kann zeigen, dass sie für andere Themen steht. Kann ihr eigenes Agenda-Setting betreiben, indem sie Themen in den Vordergrund stellt, die nichts mit rechten Einflüssen, sondern mit liberalen, freiheitlichen, europäischen Wünschen zu tun hat. Gestalten wir einen Diskurs mit unseren Themen – und machen wir es laut.

Gestalten wir einen Diskurs mit unseren Themen – und machen wir es laut.

Dafür müssen wir heute nicht mal mehr auf die Straße gehen wie die Generation vor uns, die 68er-Bewegung. Wie die Studenten damals, die Plakate in die Luft hielten und für ein modernes Zeitalter plädierten. Revolutionen sind heute einfacher, vor allem für uns. Für die Generation, für die das Internet eben kein Neuland ist, sondern etwas, mit dem sie aufgewachsen ist. Die weiß, dass sie ihre Stimme nutzen kann. Was für eine große Wirkung es haben kann, einen bestimmten Artikel zu teilen. Wie sehr wir die Feeds unserer Freunde und Bekannten prägen können, wenn wir unseren Fokus auf die Themen legen, die zählen und keinen Raum schaffen für die, die von rechts geprägt werden. Wir können etwas tun, mit wenig Aufwand und großer Wirkung, Eine moderne Gegenbewegung mit Blick auf Freiheit, liberale Werte und die Welt, in der wir später leben wollen.

Wir können den Diskurs bestimmen, wenn wir es nur wollen. Wenn wir Worte wie “Leitkultur”, “Identitätsverlust” oder “Verfremdung” gar nicht erst in unseren Wortschatz aufnehmen, sondern andere prägen: Meinungsfreiheit, Chancengleichheit, Selbstbestimmung, Klimaschutz, Datenschutz, persönliche Freiheit und all die vielen Dinge, die uns auf der Zunge brennen.

Eine Gegenbewegung braucht einen Anfang. Und vielleicht gibt es genau deswegen schon Vorreiter, die große Erfolge feiern. Maddie von dariadaria, die täglich Tausende Menschen zu einem nachhaltigeren, bewussterem Lebensstil inspiriert. Oder Menschen wie Tilo Jung, der erfahrene Politiker mit guten Interviews ins Stocken bringt und die Welt der Politik auf junge Weise inspiriert. Wenn wir Vorbilder suchen, können wir sie finden.

Wegschauen, Wahlergebnisse unbeachtet lassen oder nicht zuzusehen, was sich gerade zum Beispiel in Österreich abspielt, wäre falsch. Doch bieten wir den Rechten keinen Platz für ihren Diskurs, lassen wir sie nicht unseren Wortschatz prägen, unsere Denkweise beeinflussen. Starten wir eine Gegenbewegung, die mit Vernunft statt Radikalität, mit Herz statt Hass und mit Zukunftsgedanken statt Vergangenheitsängsten agiert. So pathetisch es auch klingt: Die Zukunft liegt in unserer Hand. Wir können jetzt bestimmen, welche Themen unsere Gesellschaft prägen. Lasst es die Themen einer Generation werden, die keine Angst vor Veränderung hat, sondern Zukunft mit Vernunft und Weltoffenheit gestalten möchte. Lasst uns als Generation 2018 in die Geschichte eingehen. In unsere Geschichte.

 

Zu diesem Artikel inspiriert hat mich ein Beitrag in der letzten Ausgabe der “ZEIT”. Hier könnt ihr ihn (kostenpflichtig) nachlesen

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2 Comments

  1. Podcast #2: Über Reichweite und Verantwortung – Anna-E says:

    […] Erwähnt haben wir hier den hörenswerten Podcast von Lina Mallon. Zu meinem letzten Artikel gelangt ihr über diesen Link. […]

  2. Linkliebe ? 12 | LexasLeben says:

    […] Generation 2018: Wieso ausgerechnet wir die Welt verändern können […]

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