Hinter der Fassade der traumhaften Insel: Bali und der Plastikmüll

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Ich erinnere mich noch gut daran: An einem unserer letzten Tage auf Gili Air, einer traumhaften kleinen Insel in der Nähe von Bali, nahmen wir auf dem Rückweg vom Strand einen anderen Weg als sonst. Er führte uns über weichen, hellen Sand, durch wilde Pflanzen und an Häusern von Einheimischen vorbei. Umgeben von der entspannten, ruhigen Stille, sahen wir plötzlich, wie aus dem Nichts, links neben unserem Weg: einen riesigen Müllberg. Plastik, so weit das Auge reicht, hoch gestapelt. Dazwischen zwei Kühe, inmitten von all dem Müll. Rundherum Wohnhäuser. Mitten in dieser wunderschönen Natur plötzlich dieses Ungetüm.

Bereits zuvor war mir auf Bali aufgefallen, wie unglaublich schlecht die Müllentsorgung war – beziehungsweise nicht war. Wenn wir durch die Straßen der Insel fuhren, brannten immer wieder rechts und links kleine Feuer neben den Häusern. Es dauerte etwas, bis wir begriffen, was das war: Hausmüll, der einfach verbrannt wurde. Neben Wohnhäusern und spielenden Kindern. Ein Einheimischer erklärte uns später, dass es in Bali keine öffentliche Müllentsorgung gebe, alle Bewohner würden deswegen ihren Müll selbst verbrennen. Hier handelte es sich aber nicht um ein bisschen Biomüll oder Pappe und Papier: Vor allem Plastik wurde öffentlich in Massen verbrannt.

Ich kann mir vorstellen, dass es auf Seiten der Touristen vor allem die schlechte Trinkwasserversorgung ist, die eines der größten Probleme darstellt, um den Plastikkonsum so enorm in die Höhe zu treiben. Das Wasser aus dem Hahn ist nicht trinkbar, es muss also immer extra gekauft werden. Wir hatten in unseren Airbnbs immer große Wasserkanister, an denen wir unsere Trinkflaschen auffüllen konnten. Trotzdem kauften wir uns unterwegs auch immer mal wieder neue Trinkflaschen, wenn uns der Durst überkam – und mussten sie dann wegschmeißen, denn Recycling gibt es dort nicht. Auch das ist ein weiterer Punkt: Denn ausgerechnet Bali, auf deren Insel die Einwohner den Einklang mit der Natur leben und zelebrieren, erstickt im Plastik und das Bewusstsein dafür scheint trotzdem zu fehlen. Genauso sind es aber auch die Touristenmassen, die mittlerweile diese wunderschöne Insel aufsuchen und offensichtlich stark mitverantwortlich für diese Entwicklung sind.

Seitdem ich diese Massen an Müll an diesem Tag gesehen habe, wollte ich darüber schreiben, wusste aber irgendwie nicht wie. Ich wusste nicht, was ich euch noch mitgeben sollte. Tipps zur Müllvermeidung? Ich denke, hier hilft gesunder Menschenverstand und ein respektvoller Umgang mit diesem fremden Land, der wunderschönen Natur und den freundlichen Menschen. Das sollte selbstverständlich sein.

Nun sah ich vor kurzem aber durch Zufall zwei junge Balinesinnen im Fernsehen, die für ihr eigenes Projekt eine Auszeichnung gewannen. Für eine Aktion, in der sie sich dafür einsetzten, Plastiktüten auf Bali zu verbieten und damit ein ganz neues Bewusstsein für den Umweltschutz auf der Insel schafften. Mit gerade einmal zwölf Jahren fingen sie an, Unterschriften zu sammeln, Aktionen zu organisieren und für ihr Ziel zu kämpfen: Ihre wunderschöne Heimat von Plastik zu befreien. Es ist unglaublich, wie viel sie schon jetzt erreicht haben: 2018 soll Bali frei von Plastiktüten werden. Ihre Aktion „byebyeplasticbags“ hat Bali im Sturm erobert. Nicht nur das: Ihrem Vorbild haben sich weitere Jugendliche aus aller Welt angeschlossen und nun gibt es ihre Aktion auch in anderen Ländern und Städten wie Australien, Jakarta, China, New York oder den Philippinen.

Die Geschichte dieser zwei Mädchen ist so unglaublich inspirierend. Sie zeigt, dass wir viel zu oft vergessen, dass es nur einen ersten Schritt braucht, um eine ganze Bewegung anzustoßen. Zwei junge Mädchen haben es geschafft, schon jetzt unglaublich viel zu verändern! Sie haben ein Problem erkannt, es an die Öffentlichkeit getragen und dafür gekämpft, dass es gelöst wird.

Die Geschichte dieser zwei Mädchen ist so unglaublich inspirierend. Sie zeigt, dass wir viel zu oft vergessen, dass es nur einen ersten Schritt braucht, um eine ganze Bewegung anzustoßen.

Das Müllproblem auf Bali ist mit Sicherheit noch lange nicht gelöst. Und auf anderen indonesischen Inseln wie den Gilis oder Lombok konnten wir uns von dem Ausmaß des Plastikmülls noch selbst überzeugen. Ich hoffe natürlich sehr, dass Bali und Indonesien im Gesamten dieses Problem irgendwann in den Griff bekommen werden. Bis dahin können wir als Touristen den Respekt für dieses wunderschöne Urlaubsland wahren und dort all unsere Umweltstandards aufrechterhalten. Vielleicht gibt diese Geschichte aber auch schlichtweg den Mut, zu erkennen, dass Umweltschutz und Veränderung im Kleinen beginnen. Vor allem auch dafür, Dinge einfach zu beginnen und dafür zu kämpfen, dass sie Erfolg haben. Diese Erde ist unsere Zukunft – und wir haben nur eine davon.

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