Kolumne: Jugendliche rebellieren nicht mehr?!

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“Jugendliche rebellieren nicht mehr.”, schrieb vor ein paar Tagen die Süddeutsche Zeitung im Rahmen der diesjährigen Shell-Studie. Grundsätzlich ein Widerspruch in sich, denn Jugend ist doch schon immer Synonym für Rebellion, Aufstand, dem Wunsch nach Veränderung. Rock n’ Roller, Hippies und Punks, sie alle verband schließlich das gleiche Ziel: Den Alten zu zeigen, dass sie ihre Welt selber gestalten – und dass sie es vollkommen anders machen als die letzte Generation.

Unsere Generation: Papiertüten-Hipster, Vollzeit-Veganer und passionierte Beauty-Gurus

 

Doch jetzt blicken wir auf unsere Generation: Die Jutebeutel- und Papiertüten-Hipster, perfektionierte und gestylte Instagram-Stars, Vollzeit-Veganer und passionierten Beauty-Gurus. Die coole Jugend von heute isst nicht mehr Fertigpizza und Ravioli aus der Dose – sondern Bulgursalat, Chiapudding, Avocado in allen Varianten oder das nächste sogenannte Superfood.
Unsere Vorbilder sind keine Rockstars, Drogenjunkies oder Lebenskünstler. Sondern Großverdiener, Kreativ-Genies oder Öko-Gutmenschen.

Sind wir zu egozentrisch für Grundsatzdiskussionen?

 

Toll und ein Grund zur Freude, findet die erwachsene Medienwelt. Und ich? Halte wohl ein bisschen fest an der Illusion von aufbegehrenden Jugendlichen, die für ihre Ziele kämpfen mit geheimen Demonstrationen, einem wilden Lebensstil oder schlichtweg auffallenden Klamotten. Frage mich, ob unsere Generation einfach zu faul für politschen oder sozialen Aufstand ist, zu egoistisch und selbstfixiert für Grundsatzdiskussionen, zu feige, das gemachte Nest anzugreifen.
Trotzdem: Ein weiterer Punkt der Studie war, dass die Politikverdrossenheit unserer Generation zurückgeht. Spiegel Online erklärt, wir hätten unsere “Null-Bock-Phase” überwunden und wollten die Welt mitgestalten.

Wir wollen die Welt mitgestalten – mit Vielfalt, Freiheit und Frieden

 

Und an diesem Punkt begreife ich, dass es wohl das ist, was wir von früheren Generationen gelernt haben: Dass wir auch gewaltfrei, ruhig und überlegt rebellieren können. Vielleicht rebellieren wir unter anderem mit Instagram-Ästhetik, Bio-Chiasamen und Facebookgruppen gegen alle möglichen Dinge. Vielleicht haben wir einfach gemerkt, dass wir Frieden leben müssen, um ihn zu bekommen. Und dass das nicht heißt, keine eigenen Vorstellungen zu haben, keine eigene Generation zu bilden. Wir, unsere Generation, sind Vielfalt, Freiheit, Zukunft – und das ist gut so.

2 Comments

  1. Julia says:

    Super interessant, meine Liebe! :)
    Ich persönlich sehe mich ja in etwa dazwischen. Ich liebe Chiapudding und Avocados, aber ein bisschen Rebellion darf ab und an schon mal sein!

    Liebe Grüße,
    Julia

  2. Jean says:

    Hallo Anna,
    Das hast du wirklich schön gesagt! Ich glaube, das, was wir so tun, findet viel mehr im privaten Umfeld als in der breiten Öffentlichkeit statt.
    Liebe Grüße, Jean ?

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