Kommentar: Schwarz-Weiß ist einfach, unsere Welt aber nicht

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Wir denken schwarz-weiß. Ganz alltäglich, unbewusst, schon immer. Morgens, bei der Entscheidung ob Müsli oder Toast. Wenn wir sagen: „Die Pizza ist hier aber besser als dort drüben“. Oder, wenn wir lieber eine S-Bahn früher nehmen, um nicht zu spät zu kommen. Also, falls das jemand auch wirklich tun sollte.

Und schwarz-weiß ist dabei gar nicht schlecht, im Gegenteil: Schwarz-Weiß ist rational, wohl bedacht, abgewogen. Entweder Oder. Das Eine oder das Andere. Wir wählen aus, wägen ab, entscheiden.

Aber schwarz-weiß kann eben auch Symbol für etwas ganz Anderes sein, weder rational noch abgewogen: Dann, wenn Polemik und geschickte Parolen für diese eine, einzige Lösung plädieren. Wie, einfach eine Mauer zu bauen zwischen dem eigenen Land und dem der Menschen, die in diesem Arbeit suchen. Wie, einfach „mehr Kinder statt Masseneinwanderungen“ zu fordern, um das „traditionelle“ Familienbild wieder zu stärken. Populismus gibt leichte Lösungen, schwarz-weiße Vorschläge.

Einfache Lösungen zu finden, das klingt sehr schön und nach wenig Anstrengung. Und vielleicht sind diese einfachen Lösungen auch deswegen so schön, weil sie uns die Angst nehmen vor dieser großen, komplexen Welt. Weil wir manchmal das Gefühl haben, sie überrennt uns, über Nacht, von einem Moment auf den anderen.

Doch wenn wir genauer hinsehen, dann merken wir: Wir können noch so viel schwarz-weiß pinseln, unsere Welt wird trotzdem nie ganz grau. Unsere Welt ist viel zu bunt, um sich in zwei Kontrastfarben stecken zu lassen und viel zu bunt für einfache Lösungen. Leider, sagen die Hoffnungslosen. Zum Glück, sagen die, die an die Zukunft glauben.

Wir müssen einsehen: Schwarz-Weiß, das passt nicht mehr in unsere Zeit. Wenn es um Fotos oder den Fernseher geht, haben wir es schon lange abgeschafft. Aber wenn es um unsere Denkweise geht, laufen bei vielen von uns immer noch die Schwarz-Weiß-Sendungen in Dauerschleife.

An das Bunte zu glauben, ist dabei kein Ausdruck von kindlicher Naivität. Konfettischmeißen beim Kinderfasching oder mit Wachsmalstiften den Fußboden anmalen. Unsere Welt ist komplex und vielfältig. Wir sind individuell und einzigartig. Und auch wenn das manchmal erschreckend grell wirken kann, bin ich überzeugt davon, dass es auf lange Sicht viel wertvoller und kostbarer ist als tristes Schwarz-Weiß.

Dieser Artikel erschien als Teil einer Blogparade unter dem Thema „Schwarz Weiß“. Gestern veröffentlichte die liebe Fee dazu einen wunderschönen Outfitpost, morgen wartet auf euch ein Artikel auf Sparkle&Sand.

3 Comments

  1. Mai says:

    Sehr sehr schöne Gedanken, liebe Anna!

    Ich kannte deinen Blog vor unserer Blogparade noch gar nicht und frage mich grad die ganze Zeit wie ich ihn übersehen konnte. Deine Texte sind so schön. Ich könnte mich hier stundenlang durchklicken :)

    Liebste Grüße
    Mai von SPARKLEANDSAND.com

  2. Vita says:

    Ein toller Beitrag zum Thema Schwarz-Weiß! Besonders der Vergleich mit unserer Denkweise und dem, was es eigentlich alles zu sehen gibt, gefällt mir gut. Wie oft ertappe ich mich dabei, dass ich nicht so komplex denke, wie ich es eigentlich gerne hätte, sondern genau auf diesen Schwarz-Weiß-Zug mit aufsteige. Danke für die Erinnerung, dass die Welt viel bunter ist als nur diese zwei Farben :)

    Liebe Grüße,
    Vita

  3. Sophie says:

    Ich mag deinen Post sehr sehr gerne! Er regt zum Nachdenken an und ich kann dir voll und ganz zustimmen.

    Liebste Grüße, Sophie
    Linsenspiel

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