LITERATUR: Verschwunden im Nebel (Gastpost)

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„Als ich Anna fragte, ob sie einen Gastbeitrag für meinen Blog schreiben möchte, und sie darauf auch einen von mir haben wollte, war ich unglaublich stolz ein paar Worte für sie, beziehungsweise euch zu schreiben.

Kurz zu meiner Person: Ich bin Katja von Amoureuxee und auf meinem Blog geht es vor allem um das tägliche Leben, Gefühle, ein bisschen Mode und kleine Geschichten, von denen ich jetzt auch eine auf Annas Blog veröffentlichen darf. Aber lest selbst:“

Es war eine kühle Nacht, als sie aus dem Bett stieg und sich auf den Weg machte. Ich möchte ehrlich zu euch sein, keiner wusste wohin sie gehen würde, auch ich nicht. Dennoch legte auch ich meine wärmende Decke beiseite und folgte ihr ganz unauffällig aus der Haustür. Sie ging mit großen Schritten voran und ich ging ihr hinterher.
Unser Weg führte vorbei an Straßenlaternen, dunklen Fensterscheiben und schlafenden Menschen durch die dunkle Nacht. Über unseren Köpfen leuchtete der Sternenhimmel und versuchte uns Mut zu schenken. Wir müssen ziemlich verloren unter dieser Weite ausgesehen haben, zwei Menschen, mutterseelenallein auf dem Weg in das Ungewisse.

Unser Weg wurde immer weiter, sie schien kein Ziel vor Augen zu haben. Nach ein paar Stunden zeigte sich die Dämmerung und der Himmel wurde langsam heller. Die Sterne verschwanden wie mein Mut unter einer dicken Nebelschwabe. Wohin würden die zwei Verlorenen gehen?
Durch die Fensterscheiben konnte man jetzt müde Menschen beobachten, welche ihrem Alltagstrott nachgingen. Ganz anders als wir. Ich beneidete sie ein bisschen, denn sie starteten ihren Tag unbeschwerter als wir. Sie allerdings schenkte ihnen keinen Blick. Ihr Blick ging stur geradeaus.

Aus den gelaufenen Metern wurden Kilometer und aus den Häusern am Straßenrand wurden Felder. Die Luft war klar, mein Blick jedoch wurde durch den Nebel getrübt. Ich erkannte uns auf einer einsamen Straße wieder, links und rechts von uns erstreckte sie die weite Landschaft.

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Ihre Schritte wurden auf einmal noch größer und ich musste etwas schneller laufen, um sie nicht aus den Augen zu verlieren. Meine Gedanken waren abgeschweift und ich hatte mich in meinen Träumen verloren. Ich fragte mich wohin ihr Weg führen würde. Wir kennen uns gut, dachte ich immer, aber wie immer sollte ich eines Besseren belehrt werden.
Dann endlich blieb sie stehen. Im letzten Moment konnte ich anhalten. Meine Füße taten weh und meine Lunge brannte. Ihr jedoch schien das alles gar nichts auszumachen, sie blieb einfach stehen und atmete die kühle Luft in ihren Körper.

Vor uns lag eine grüne Wiese, wir schienen auf einer Art Hügel zu stehen. Die dicke Nebelwand hatte sich auch hier ausgebreitet, weshalb ich unsere Lage nur erahnen konnte. Ich fragte mich, was sie hier wollte.
Sie schaute einfach nur mit glasigem Blick hinunter und starrte in den Nebel. Ich wollte sie in den Arm nehmen, fest an mich drücken und ihr sagen, dass alles wieder gut wird. Aber ich konnte nicht. Mein Stolz war zu verletzt für diese Geste und so stand ich einfach stumm hinter ihr.

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Sekunden, Minuten, Stunden schienen zu vergehen, ich hatte mein Zeitgefühl verloren. Dann ging sie ein paar Schritte in den Nebel hinein. Die Sonne stand hinter uns und machte die Szene noch beeindruckender. Nach ein paar Schritten rannte sie immer schneller und verschwand im Nebel. Ich dagegen stand mit angewurzelten Beinen und schaute ihr zu. An diesem Morgen hatte ich sie das letzte Mal gesehen.
Ich glaube, sie hat mich gespürt, sie wusste, dass ich hinter ihr stand und mit mir und meinen Gefühlen rang. Ich wusste wie sie hoffte, dass ich meinen Stolz überwinde und sie in den Arm nehme. Aber ich habe versagt. Wir haben versagt.

Eine stumme Träne der Verzweiflung lief mir über die Wange, während ich ihr immer noch nachschaute und hoffte, sie würde wiederkommen. Sie kam nicht.
Nach einer Weile drehte ich mich um und ging nach Hause, fast, als wäre nichts passiert. Ich führte mein Leben weiter.
Heute frage ich mich manchmal noch, was aus ihr geworden ist. Ob sie an mich denkt, mich vermisst, mich hasst. Aber ich habe keine Antworten auf meine Fragen, denn ich war ein kleiner, stolzer Feigling und habe sie für immer verloren. Alles, was mir blieb war dieses Bild, welches sich in meine Gedanken eingefleischt hatte. Ich hatte sie verloren.

 

Ich hoffe, euch hat Katjas Text genauso gut gefallen wie mir. Seht auf jeden Fall auf ihrem wunderschönen Blog vorbei und folgt ihr auf Instagram und Facebook. Hier findet ihr immer wieder unglaublich tolle, inspirierende Fotos von ihr. 

Übrigens findet ihr heute auch einen Post von mir auf Katjas Blog: Eine Kolumne über das (bewusste) Alleinsein. Ich freu mich, wenn ihr dort auch mal reinlest. Eure Anna

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