Luxusprobleme? Wie ich auf Bali mein gesamtes Gepäck verlor

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Das Gepäckband läuft und läuft, immer weniger neue Koffer rollen auf das Band. Vor einer halben Stunde konnten wir immer nur mit Mühe und auf Zehenspitzen die einzelnen Gepäckstücke sehen, weil sich alle Wartenden in einem riesigen Pulk vor dieses Band gestellt hatten und nach und nach Koffer in Folie und riesige Kisten eilig herunterhoben. Kein einziger Rucksack in Sicht. Und doch hofften wir bis zu dem Moment, als das Band stoppte, unsere Rucksäcke würden noch kommen. Vielleicht ja ganz am Schluss?

Szenenwechsel: Der Bus fährt über die ruckelnde Straße, links und rechts hupende Mopeds, auf denen meist mehrere Menschen in Shorts und T-Shirt sitzen. Daneben, hinter einem mit Stacheldraht gesäumten Zaun, kleine Kinder, die gemeinsam Fußball spielen. Hinter ihnen erstreckt sich ein Teil dessen, was wir als Slums bezeichnen würden: Häuser, die nicht viel mehr sind als etwas Blech und Stoff, dazwischen überall Schmutz und so unglaublich viel Müll. Der braungrüne Fluß, der direkt durchläuft. Ich sehe ein kleine Kind, das dort nackt seiner Mutter hinterherläuft.

Noch vor zwei Minuten konnte ich nur an mein Gepäck denken, nur daran, welche Sachen ich gestern noch hinein gepackt hatte, wie ich mir extra eine Packliste geschrieben hatte und nach und nach ein Lieblingsteil nach dem anderen in den Rucksack legte. Schließlich blieben wir ja für einen Monat hier.

Aber inmitten von all dem, wir in dem klimatisieren Bus, draußen diese Bilder: Auf einmal erschien es mir, als würde ich mir über ein klitzekleines Luxusproblem so viele Gedanken machen, dass ich mich fast dafür schämte. Ein paar Minuten später kamen wir in einem Hotel an, das wohl das luxuriöseste war, in dem ich jemals Einchecken durfte. Und ich trug das T-Shirt, das ich seit über 24 Stunden im Flugzeug angehabt hatte. Auch das: für mich ein wirklich unangenehmes Gefühl, aber vor all der Kulisse irgendwie nicht gerechtfertigt. Oder?

Ich fühlte mich auf einmal so unglaublich privilegiert, auf unangenehme Weise erhaben. Zuvor hatte ich noch nie auf eine so deutliche Weise einen Schnitt zwischen Arm und Reich gespürt – und das, obwohl ich mich für unsere Verhältnisse natürlich nicht gerade zur Oberschicht zählen würde. Diesen Eindruck werde ich so schnell nicht vergessen und ich habe das Gefühl, dass er uns auf unserer Reise noch einige Male begleiten wird…

4 Comments

  1. Julia says:

    Oh Anna, ich weiß genau, was du meinst. Als wir durch den Grenzort in Laos gefahren sind, habe ich mich gefühlt, wie ein Katastrophentourist. Und bei der Fußmassage hatte ich teilweise auch ein ganz, ganz komisches Gefühl..

    Genieß deinen Urlaub noch!
    Liebe Grüße,
    Julia

    1. ANNA says:

      Liebe Julia,
      ich schätze es auch sehr wert, wie die Menschen hier leben und bewundere ihre Kultur und Lebensweise. Trotzdem fühlen sich manche Situationen einfach seltsam an – es ist gut zu hören, dass du ähnliche Erfahrungen gemacht hast.

  2. Mona says:

    au ha, das wäre auch mein Albtraum… aber… ja, ich kann es auch verstehen, wie seltsam das Gefühl sein muß, sich Gedanken über seinen Lieblingsbikini zu machen, während rundherum diese echte Armut herrscht…
    bin gespannt, welche Eindrücke Du erlangen wirst….

    1. ANNA says:

      Liebe Mona, danke dir – ich werde meine Eindrücke auf jeden Fall mit euch teilen :)

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