Montagskolumne: Die Komplexität der Komplimente

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Ein Kompliment ist laut Duden eine „lobende, schmeichelhafte Äußerung, mit der man jemanden erfreuen will“. Etwas Nettes, das man an eine bestimmte Person richtet – und die sich dann im besten Fall darüber freuen sollte. Mit Komplimenten wollen wir eine Freude machen, zum Lächeln bringen oder das Gegenüber schlichtweg ein bisschen aufmuntern. Als Grundlage dafür können dann schöne Schuhe, ein neuer Haarschnitt oder eine besondere Gesangsbegabung dienen.

Komplimente zu geben macht ein Gespräch immer ein bisschen blumiger, schöner und wattebauschig-lockerer. Dabei spielt natürlich aber auch die Häufigkeit der Schmeicheleien eine nicht ganz unbedeutende Rolle: Wem man in einem Atemzug erzählt, was für eine tolle Farbe seine Augen, Haare und Schuhe haben, der entfernt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ziemlich schnell. Wem man dagegen ganz subtil und durch zehn Blumen hindurch zuraunt, dass sein Fahrrad einen echt coolen Rahmen hat, wird wohl wenig beeindruckt sein. Es wird also deutlich: Das richtige Maß spielt in der komplexen Welt der Komplimente eine große Rolle.

Doch Vorsicht: Auch der Inhalt der Nachricht ist nicht ganz unwichtig. Sinn und Zweck des Kompliments, also ein eher angenehmer und erfreulicher Effekt, sind nicht immer so leicht zu treffen. Schlägt man nur ein bisschen den falschen Ton an, kann das Lob an die Freundin für das tolle Einparkmanöver schnell als Ironie missverstanden werden. Ja, gar als Angriff auf die Grundprinzipien des Feminismus. Genauso  ist auch das Kompliment über das tolle Kleid der Kollegin, die gerade einen brennenden Vortrag hielt, nicht unbedingt die beste Idee. Schnell tritt man mit dem falschen Kompliment ins Fettnäpfchen – und das oft ganz ungewollt. Aber deswegen gar keine Nettigkeiten mehr verteilen? Auch keine schöne Lösung.

Aber man selbst steckt ja nicht nur in der Rolle des galanten Komplimenteverteilers, sondern immer mal wieder auch in der des Empfängers. Und genau die ist noch um Einiges schwieriger und komplexer. Denn Komplimente anzunehmen, ist eine hohe Kunst, die doch eigentlich niemand so richtig beherrscht. Zu hochnäßig, zu schüchtern, zu arrogant, zu verklemmt: Mit Millionen von Attributen kann die eigene Reaktion nach Erhalt eines Kompliments bewertet werden. Das größte Problem: Dass in Anbetracht dieser nachfolgenden Beurteilungen das Gesicht während des Kompliments zu einer gequälten Grimasse anstatt eines verlegenen Lächelns changiert.

Wie auch immer, ein „Dankeschön“ oder ein knappes „Danke“ sind die wohl häufigste Antwort auf Komplimente. Vielleicht nicht immer das, was der Nettigkeitsverteiler sich erhofft hatte, aber mit Sicherheit eine angemessene Entgegnung. Die Frage, die dann im Raum hängt, ist jedoch die nach der Art des „Dankeschöns“: Freudig überrascht, höflich distanziert, kühl abwertend. Tja, und hier geht die Interpretation dann erst so richtig los. In äußerster Kompliment-Komplexität.

1 Comments

  1. Julia says:

    Hallo Anna,

    erst ein mal vielen lieben Dank für deinen Kommentar auf meinem Blog, ich habe mich sehr darüber gefreut.
    Leider bist du eine der wenigen, die die Entwicklung meines Blogs gut finden, das merke ich an den Klickzahlen und den Likes auf meinen Social Media Kanälen. Deswegen ist es nicht unbedingt einfach, mich in diese Richtung zu entwickeln, denn mein Blog ist mein Baby und mein Baby soll ja wachsen. Hachja. Trotzdem werde ich weiter machen und versuchen einen Weg zu finden, mit dem ich voll und ganz zufrieden bin und der auch meinen Lesern gefällt! Es freut mich zumindest schon mal sehr, von dir ein so tolles Feedback zu bekommen!

    Um auch etwas zu deinem Beitrag zu sagen: TOLL! Ich habe dich schon immer deswegen geschätzt, weil von dir nie ein „tolles Bild Süße“ oder ein „guter Post“ kam. Du bist immer auf den Inhalt eingegangen und hast nie mit Komplimenten um dich geschmissen, die nur halbherzig kamen. Danke dafür!
    Und wo wir gerade bei Komplimenten sind: Dein Blog ist großartig. Du inspirierst mich, mich mit Themen auseinander zu setzen und zu Reisen. Irgendwann, da können wir uns hoffentlich mal kennenlernen, denn ich denke, wir hätten viel zu reden!

    Liebe Grüße an dich!
    Julia

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