Alles fing damit an, dass meine Freundin J. und ich uns letztes Jahr ein Wahlfach aussuchen wollten. Kammermusik? Nicht ganz so unser Ding. Chor? Nachdem J. mir jede Musikstunde “the Lion sleeps tonight” ins Ohr gequietscht (!) hatte, versuchte ich sie schnell zu was anderem zu bewegen. Kochen? Mit jemandem der Kartoffelbrei mit Ketchup isst?! Hatte sich dann wohl auch geklärt. Also stießen wir letztendlich auf Chinesich und fanden das beide irgendwie exotisch und interessant. Wir träumten davon, Gespräche miteinander zu führen, die niemand unserer Freunde verstehen würde, wir stellten uns vor eine Reise nach China zu machen und dort mal locker flockig auf Chinesisch einzukaufen und uns mit allen möglichen Leuten zu unterhalten. Die Namen von chinesischem Essen wirklich richtig aussprechen zu können und damit die Bedienung im Chinarestaurant erstmal richtig zu beeindrucken. Mit dem Ziel unserer Mission genau vor Augen, betraten wir zum ersten Mal donnerstags nachmittags das Klassenzimmer. Nein, eigentlich nicht, da die Tür abgesperrt war. Wir checkten erst, dass die Tür nur von ihnen geöffnet werden kann, als der erste Schüler aufs Klo ging. Die etwas verwirrte Chinesischlehrerin begrüßte uns gleich mal auf Chinesisch und redete auf uns ein. Auf Chinesisch. Wir nickten einfach mal brav und setzten uns in die zweite Reihe. Dann mussten wir erstmal schön irgendein Arbeitsblatt ausfüllen, bei dem wir mal einfach geraten haben, was diese ganzen Zeichen bedeuten könnten. Mit offenen Mündern hörten wir zu. Und verstanden leider kein Wort. Die anderen Schüler sahen leider so aus, als würden sie genau wissen, was wir machten. Okay, der eine neben uns mit den wahrscheinlich schon etwas länger nicht mehr gewaschenen Haaren und dem etwas penetranten Geruch, war schon am Schlafen und sein Banknachbar zeichnete ununterbrochen Graffitis. Zwei Streber in der ersten Reihe fingen schon fast an zu streiten weil jeder der beiden es nicht gewohnt war, einen Gegner zu haben. Ansonsten waren auch noch ein paar einige normale Menschen anwesend, aber der Großteil war ziemlich gewöhnungsbedürftig. Da wir uns aber durch nichts abbringen lassen wollten, gingen wir alle zwei Wochen fleißig in den Unterricht. Um zuhause aber den Ganzen Stoff zu wiederholen, hatte irgendwie keiner von uns Zeit. Unsere Lehrerin war wirklich nett, nur etwas verwirrt. Was hieß, dass wir an einem Tag ziemlich leichte Sachen machten und sie am nächsten Tag von uns verlangte irgendetwas in fließendem Chinesisch zu erzählen. Als sie dann eines Tages sagte, dass wir ein Diktat machten, um eine Chinesischnote zu bekommen, wussten wir, dass sie vielleicht das Prinzip eines Wahlfaches noch nicht so ganz verstanden hatten.
Eigentlich fand ich mich gar nicht so schlecht, bis zu dem Tag, als ich der ganzen Chinesischklasse erzählte, mein Bruder hieße Wendelin, weil ich dachte, sie wollte wissen, wer mein Opa war….
Eine Stunde, an die ich mich noch erinnern kann, weil sie wirklich total schön gemacht war: Wir hatten noch eine Schülerin aus China hinten drin sitzen, die dann auch einmal eine Chinesischstunde gehalten hat. Da hat sie uns über das chinesische Neujahrsfest erzählt, wunderbar filigrane Scherenschnitte geschenkt und uns einige Dekorationen gezeigt. Dazu hat sie dann noch ein paar Geschichten erzählt und die Stunde ist mir wirklich im Gedächtnis geblieben, weil ich da einiges über chinesische Traditionen gelernt habe.
Eines Tages klingelte dann bei uns das Telefon. Ich hab gerade irgendwas anderes gemacht und darauf gewartet, dass meine Eltern rangehen. Als meine Mama mich dann aber anstarrte und sagte ich soll unbedingt dran gehen, wunderte ich mich zwar leicht, aber ging trotzdem ran. Auf einmal kam mir ein chinesischer Wortschwall entgegen, der ungefähr so klang: nihao haschiwaschikkuskiwashcileiloloiischiwasdgöischaekgolfil Anna-Elisa hoschöogjngböaischhlllll Anna-Elisa lköhuuigjköntlahföll…. Ja und so ging das mindestens 5 Minuten weiter. Ich hatte schon Angst, dass unsere Telefonrechnung nicht mehr bezahlbar wurde, aber der hörte einfach nicht auf. Zwischendrin versuchte ich so zu tun, als würde ich was verstehen und warf mal gekonnt einen Lacher oder ein nihao rein, aber irgendwie hörte es immer noch nicht auf. Irgendwann ging die Stimme dann aber zu deutsch über und ich erkannte, dass es der Mann von einer Freundin meiner Mama war. War ich vielleicht erleichtert. Die Freundin hat mir dann nachher gesagt, dass er mich die ganze Zeit gefragt hat wie es mir geht und ob ich Anna-Elisa heiße. Klar, hab ich gesagt, wusst`ich naaaaatürlich.
Letztendlich kann ich sagen, dass mir das Ganze wirklich Spaß gemacht hat und ich es eigentlich schade finde, dass ich dieses Jahr nicht mehr Chinesisch habe. Allerdings werde ich das mit dem Chinesischlernen nochmal nachholen – dann aber in einem Kurs, den ich nicht nur zweimal die Woche habe und bei dem ich Zeit habe auch was dafür zu tun. Die chinesische Sprache hört sich nämlich, finde ich, so toll an wenn man es wirklich kann & vielleicht kann ich irgendwann dann doch mal Smalltalk mit einem Chinesen führen. Momentan würde der nämlich so aussehen:
“nihao”
- “nihao”
“ljhijouschiwaschi”
- “wô ai wô nainai.”
Das ist nämlich leider der einzige Satz den ich mir merken konnte und der auf deutsch “Ich liebe meine Oma” heißt. Naja man muss ja klein anfangen. Habt ihr schon Erfahrungen mit Chinesisch gemacht? Oder lernt ihr irgendwelche anderen außergewöhnlichen Fremdsprachen ? (:

























