Personal: Habe ich mich durch das Reisen verändert?

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Verändert Reisen die Persönlichkeit?

Bevor ich nach Australien und Neuseeland aufgebrochen bin, habe ich von allen Seiten immer folgende Weisheiten zu hören bekommen: Dass ich als ein komplett anderer Mensch zurückkommen werde, haben sie gesagt. Dass ich so viel dazulernen werde, die Welt mit anderen, geöffneten Augen sehen werde. Dass ich dadurch für das Leben lerne werde. Ich habe andächtig zugehört, genickt und war in meinem Innern trotzdem nicht ganz überzeugt. Klar, es würde für mich ein großes Abenteuer werden, etwas Neues, nicht wirklich planbar. Aber würde es mich und meine Persönlichkeit auch wirklich verändern?

Jetzt, mit ein paar Wochen Abstand, versuche ich dieser Frage einmal nachzugehen, die gar nicht so leicht zu beantworten ist. Auf den ersten Blick ist nämlich sehr vieles gleich oder zumindest ähnlich geblieben: Der Alltag, die Freunde, die Hobbies. Und trotzdem hat sich für mich persönlich tatsächlich einiges geändert.

Verändert Reisen die Persönlichkeit?

Ich glaube, die wichtigste Sache, die ich für mich selbst gelernt habe, ist das Bewusstsein für die Weite unserer Möglichkeiten. Einfach, weil ich viele Leute kennengelernt, viele Geschichten gehört, viele Eindrücke darüber bekommen habe, wie unterschiedlich das Leben verlaufen kann. Dass es nicht einen richtigen Weg gibt, dass wir auch mal aussteigen dürfen, Lücken im Lebenslauf haben und auch mal mutig sein dürfen.

Eine Sache, die einen häufig daran hindert, ist selbstverständlich die finanzielle Seite. Doch auch hier sollte man vielleicht einfach mal ein paar Sprünge wagen, ausprobieren, Neues schaffen. Mathe ist nicht gerade mein Spezialgebiet und für Wirtschaft konnte ich mich noch nie wirklich begeistern. Aber ich glaube daran, dass es immer irgendwie weitergeht, solange man selbst nicht stehen bleibt.

Genauso habe ich verstanden, dass es eine große Herausforderung darin liegt, keinen Alltag zu haben. Wir sprechen stets von „Alltagstrott“ und betonen es negativ. Dabei ist es genau das, was unserem Leben Sicherheit gibt, einen festen Halt. In den Tag zu leben, sich Verpflichtungen selbst zu erschaffen, nur nach seinen Vorstellungen zu leben – das ist um einiges schwieriger. Und auch nicht zwingend schöner. Als ich weg war, habe ich mich oft danach gesehnt, teilweise geregelte Abläufe zu haben, mich zu festen Zeiten zu verabreden, Pläne zu entwickeln. Ich denke, das ist von Person zu Person anders – aber manchmal sollte man auch Einfachheit und Regelmäßigkeit wertschätzen lernen, egal wie sehr es einen in die Ferne zieht.

Etwas, das ich komischerweise genau durch das Reisen in die Ferne, an das andere Ende der Welt, mitgenommen habe: Die Liebe zu meiner Heimat. Ich sehe wieder, wie schön es hier ist, in was für einer tollen Stadt ich lebe, was für eine atemberaubende Natur wir um uns herum haben. Ich hatte mir während unserer Reise so viel vorgenommen, so viele Sachen aufgeschrieben, die ich hier zuhause gerne machen möchte. Gemacht habe ich zwar natürlich noch fast keine von ihnen – die Begeisterung für die Heimat ist aber immer noch da.

Mit alldem einher, ist irgendwie auch eine gewisse Angst vor herrschender Oberflächlichkeit, Imitation und synchronen Gedanken gewachsen. Ich weiß nicht ganz, wie ich das beschreiben soll, aber mir graut es davor, in einem dumpfen, immer gleichen Leben zu verschwinden, das Tag für Tag so vor sich hin schwimmt. Ich möchte Aufgaben, neue Projekte, Kreativität, Innovation. Ich möchte Menschen kennenlernen, die das auch möchten, die nach vorne gehen und sich nicht in ihrer konformen Welt einigeln. Ich möchte lieber immer einen Schritt zu weit gehen, als ihn gar nicht zu gehen.

Eines hat diese Reise aber ganz sicher verändert: Meine Reiselust und mein Fernweh waren paradoxerweise noch nie so groß, am liebsten würde ich mich sofort in den nächsten Flieger setzen. Bis mein Geldbeutel das aber wieder zulässt, muss ich mir wohl hier ein paar neue Abenteuer suchen. Und ich glaube, da werden in nächster Zeit noch so einige auf mich zukommen…

3 Comments

  1. Christina says:

    Schön geschrieben, liebe Anna! “Nicht in der konformen Welt einigeln…” – das mag ich :-) Genau deshalb habe ich es gewagt und meine konforme Welt nach 4 Jahren trotz unbefristeten Arbeitsvertrages und schöner Wohnung wieder verlassen. Jetzt sitze ich auf dem Balkon, schaue in einen Palmengarten und höre Gott weiß was für Vögel um mich herum. Ich weiß nicht, wie Leute jemals einfach nur für ihren Lebenslauf leben können!!!

  2. Franzi says:

    Hallo Anna! :-)
    Dieser Beitrag spricht mir wirklich aus der Seele. Zu Beginn war auch ich noch skeptisch, ob Reisen, Auslandsaufenthalte etc. einen Mensch so verändern können, wie es immer beschrieben wird. Können sie, definitiv. Wenn man unterwegs ist, ist man so oft auf sich alleine gestellt, muss selbst Entscheidungen treffen und lernen, wie du so schön beschrieben hast, in den Tag hinein zu leben. Gerade letzteres viel mir relativ schwer, und ich freue mich immer wieder, so schön das Reisen auch war, in meinen Alltag zurück zu kehren, eine klare Aufgabe zu haben. Doch man wächst nicht nur am Reisen, sondern lernt auch, das zu schätzen, was man hat. Gerade die Heimat. Mir kam die Region, in der ich wohne auch so viel schöner vor, als zuvor. Und das, was man von diesem Gefühl immer mitnehmen möchte, ist die Abenteuerlust, die Weltoffenheit und das Wahgniss. Doch ich glaube, so wie du es hier schreibst, wirst du diese Dinge gewiss nicht verlieren, sondern fleißig fürs nächste Abenteuer sparen.
    Liebste Grüße,
    Franzi

  3. Ein neues Jahr, meine persönlichen Ziele | ANNA-E says:

    […] Die schönste Zeit hatte ich auch im letzten Jahr immer dann, wenn Dinge nicht täglich gleich blieben, ich keinen eintönigen Alltag hatte. Es ist zwar bestimmt nicht einfach, diesem wirklich aus dem Weg zu gehen – aber wenn nicht zur Studienzeit, wann dann? Zeit für Freunde finden, Projekte selbst angehen, Dinge ausprobieren und vor allem reisen, reisen, reisen. Letzteres hängt ja leider auch ziemlich von meinem Budget ab, trotzdem werde ich euch bestimmt auch 2017 wieder an ein paar neue Orte mitnehmen können. Hier könnt ihr noch einmal nachlesen, wie mich das Reisen im letzten Jahr verändert hat.  […]

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