Personal: Veröffentlichen?

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In letzter Zeit verfolgt mich ein orange-brauner Button, rechts von diesem Textfeld, in das ich gerade tippe. „Veröffentlichen“, steht da. Eigentlich ist er harmlos, ockerfarben und klein, für mich erscheint er aber in Großbuchstaben und leuchtendem Rot. Jeder Text wirkt daneben auf einmal klein, schrumpft auf Millimetergröße und wirkt gehaltlos. Als wäre dort nichts gewesen, als hätte ich nicht gerade eine Stunde wild in die Tasten gehauen.

Wenn ich schreibe, schreibe ich alles herunter, was mir auf der Seele brennt oder in meinem Kopf umher schwirrt. Dann lese ich es durch, ändere eventuell noch ein paar Kleinigkeiten – und veröffentliche es. Ab und zu durchaus mit einem flauen Gefühl, weil ich nicht weiß, ob der Text euch gefällt, ob ich die richtigen Worte gefunden habe, ob meine Aussage auch wirklich gut verständlich ist. Ob ich mich nicht zu kurz gefasst habe, mich nicht verzettelt habe, die Pointe verfehlt habe. Aber trotzdem mache ich es dann in den allermeisten Fällen. Veröffentlichen.

Ich habe auch in letzter Zeit immer wieder Texte geschrieben, viel Zeit und Mühe hineingesteckt – und sie dann gelöscht oder einfach unveröffentlicht gelassen. Gerade hatte ich eine neue Montagskolumne geschrieben: Eigentlich über ein meiner Meinung nach wichtiges Thema, mit vielen Worten und einigen Beispielen. Ich würde nicht sagen, dass es ein schlechter Text war – und trotzdem konnte ich ihn nicht veröffentlichen. Auf einmal erschien mir das Thema doch zu unwichtig, meine Argumentation zu schwammig, mein Schluss nichtssagend.

Ich glaube, ich kämpfe eigentlich gar nicht gegen den Button. Sondern gegen Zweifel. Selbstzweifel.
Jeder hat sie, jeder kennt sie, jeder muss wohl auch Tag für Tag gegen sie ankämpfen und ihnen die Stirn bieten. Manche schaffen das, manche nicht so gut. Und manche schaffen es vielleicht die meiste Zeit, aber an manchen Tagen ganz einfach nicht.

Am Anfang war es für mich beispielsweise sehr viel schwieriger, einen selbst geschriebenen Text, eine persönliche Meinung, mit euch zu teilen. Weil ich mich damit selbst angreifbar mache, intime Gedanken teile und mich Kritik ausliefere. Natürlich weiß ich, dass mir hier keine tausend Hatermails entgegen schießen werden und böse Kommentare sich auch im Rahmen halten werden. Aber schlechte Worte bleiben immer viel leichter im Gedächtnis hängen als gute, ist euch das schon einmal aufgefallen?

Irgendwann habe ich dann aber gemerkt, dass Kritik genau das ist, was meine Texte besser macht – und Lob das, was immer wieder den Antrieb gibt.

Es ist nicht so, dass ich auf einmal nichts mehr zu sagen hätte. Dass mir auf einmal keine Themen mehr einfallen würde, dass ich sie nicht mehr aufschreiben möchte. Aber ich möchte nicht nur irgendwie schreiben, sondern so gut wie nur möglich. Über wichtige Dinge, über interessante Themen.

Jeder Mensch hat einen eigenen Anspruch an sich und das, was er schaffen möchte. Für mich hängt meine Messlatte an einem ganz bestimmten, für mich definierten Punkt. Vielleicht würdet ihr ihn teilweise niedriger, teilweise vielleicht höher hängen. Ich kann nicht wissen, wo er für euch liegt, und eigentlich sollte ich darüber auch überhaupt nicht nachdenken. Weil wir alle auf unsere eigenen Messlatte, auf unseren eigenen Anspruch, auf unser eigenes Bauchgefühl hören sollten. Und dabei immer wieder etwas wagen, uns zutrauen und einfach mal machen sollten.

Und genau deswegen drücke ich jetzt auf den Button. Veröffentlichen.

6 Comments

  1. Pirates and Mermaids says:

    Also ich mag deinen Blog und deine Beiträge und ich glaube deine Zweifel sind absolut unbegründet. Und hey vor allem sollte das Bloggen Spaß machen, das ist doch das Wichtigste!
    Alles Liebe
    Lisa

    1. ANNA says:

      Danke für deine lieben Worte, Lisa! :)

  2. Jennie says:

    Liebe Anna!!! :-) …dein Button & deine Gedanken sind mir sehr bekannt… Wer sich mitteilt macht sich auf eine Art und Weise verwundbar und angreifbar. Aber wer nicht probiert und das Risiko nicht eingeht, wird die Antwort nicht wissen… Was wäre wenn…. Schön – Du hast den Button gedrückt <3 und machst das hoffentlich noch viele weitere Male! LG, Jennie

    1. ANNA says:

      Liebe Jennie, es tut gut zu hören, dass du auch manchmal so empfindest. Und klar, der Button wird sicher noch gaaaanz oft gedrückt. Ganz liebe Grüße!

  3. Anna says:

    Ich kann das total verstehen. Mir erscheinen geschriebene, unveröffentlichte Posts auch manchmal nicht gut genug und dann rutschen sie immer weiter nach hinten und verschwinden irgendwann ganz aus dem Blickfeld. Aber andererseits gibt es dann auch die Posts, die viel überwindung gekostet haben sie zu veröffentlichen und auf die man stolz ist. Wenn ich an diese denke, dann ist der „publish“ Button gar nicht mehr so gefährlich und leuchtend. Toll Post! :)

    Viele Grüße, Anna
    http://cleanlines.de/

  4. Tabea says:

    Oh ich weiß genau was du meinst. Seit zwei Wochen sitz ich jetzt an einem Post, hab ihn inzwischen zweimal neu geschrieben und doch, so recht überzeugt er mich nicht. Obwohl es mein Herzensthema ist, die Worte bringen einfach nicht rüber was ich sagen möchte. Wirken irgendwie leer. Obwohl ich doch soviel dahinter lege. Ich glaube manchmal fehlt mir einfach jemand der das den Artikel liest und direkt sagt „Ja, stell das auf deinen Blog. Genauso.“ Aber bis ich jemanden gefunden habe der das für mich macht werd ich weiter Samstagsabends in diesem Restaurant das gutes WLAN auf der Karte hat sitzen und an meinen Post rum basteln bis er mir gefällt. Vielleicht schaff ich es ja noch vor der Weihnachtszeit.

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