Travel: Manchmal ist das Schöne so viel näher, als wir es erwarten

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Wenn wir reisen, wollen wir raus aus dem Alltag, weg von allem Gewöhnlichen, unseren Horizont erweitern und Dinge sehen, die wir zuvor noch nie gesehen haben. Reisen schreit nach Veränderung, Kontrast, Aufregung. Wieso sonst bin auch ich nach dem Abi ausgerechnet nach Neuseeland und Australien gereist – an das andere Ende der Welt?

Und bei all der Sehnsucht und dem Willen, weit weg zu kommen, vergessen wir oft viel zu schnell, dass das Schöne auch ganz nah sein kann.

In Australien haben wir tatsächlich einige Leute kennengelernt, die schon einmal in Deutschland waren – und aus dem Schwärmen nicht mehr herauskamen. Sie erzählten uns von Orten, von denen ich selbst noch nie gehört, geschweige denn diese besucht hatte. Von der wunderschönen Schweiz, der tollen österreichischen Landschaft. Und wir? Konnten gar nicht wirklich mitreden, waren beeindruckt von den Erzählungen. Dort habe ich mir selbst eigentlich vorgenommen, mein eigenes Land viel besser kennenzulernen. Viel mehr zu sehen, die schönen Orte zu besuchen und die Landschaft mit fremden Augen zu sehen.

Getan habe ich das allerdings nicht. Seitdem ich zuhause bin, hat mich der Alltag wieder eingeholt und ich träume von der nächsten Reise in die Ferne.

Über Silvester jedoch fuhr ich mit ein paar guten Freunden auf eine Hütte in Südtirol. Wir hatten relativ kurzfristig und spontan gebucht, die Umgebung einfach nur danach ausgewählt, dass auch ein Skigebiet in der Nähe war. Von München aus waren es um die fünf Stunden Fahrtzeit, zwei davon über eine Passstraße mit nicht gerade magenfreundlichen Serpentinen. Die Hütte lag nicht weit weg von einem kleinen Dorf und doch so abgelegen, dass wir für uns waren. Der ein oder andere Windstoß versetzte die klapprigen Fensterläden dabei allerdings immer wieder in ein plötzliches Scheppern und ließ uns nachts nicht immer ganz so gut schlafen…

An einem Tag fuhren wir dann einfach los, zu einem kleinen See, der uns von unseren Gastgebern empfohlen wurde. Eine halbe Stunde Fahrtzeit, wieder über eine Serpentinenstraße, vorbei an weiten Feldern und wunderschöner Landschaft. Als wir ankamen, dämmerte es schon leicht und der zugefrorene See war in unerwartet zauberhaftes Licht getaucht.

Als ich diesen See sah, dachte ich daran, wie sehr ich in Neuseeland von der ganzen wunderschönen Natur beeindruckt wurde. Wie ich es auch immer noch bin. Aber allein dieser zugefrorene Bergsee löste fast das gleiche Gefühl aus, wie ich es dort fast täglich verspürt hatte.

Manchmal muss man gar nicht erst an das andere Ende der Welt reisen, um seinen Horizont zu erweitern. Manchmal ist das Atemberaubende ganz nah – wir vergessen es nur viel zu oft.

5 Comments

  1. Tabea says:

    Also das wir die schönsten Orte auch in der Nähe finden können, wusste ich doch schon ;) aber es ist schön, dass dir das durch euren kleinen Urlaub noch mal bewusst geworden ist, denn für eine Reise in die Ferne muss man ja doch öfter mal etwas länger sparen.
    Wobei, ganz ehrlich: 5 Stunden mit dem Auto sind für mich doch nicht mehr so nah – gut, dass es sogar interessante Orte gibt, die von Nordhessen aus in kürzerer Zeit erreichbar sind :)

    Liebe Grüße

  2. Mara says:

    So ein schöner Text, Anna! :)
    Mir ging es diesen Sommer ganz genauso!
    Letztes Jahr war ich in Kanada und mich hat die Landschaft dort total verzaubert. Dann war ich wieder daheim und hatte so unglaublich großes Fernweh – bis ich in den Semsterferien gemerkt habe, dass es auch bei mir daheim in der Pfalz wunderschön ist! Deswegen will ich auch in den nächsten Semesterferien noch viel mehr dort entdecken! :)

    Und die Landschaft in Südtirol sieht auf den Bildern auch so klasse aus!

    1. ANNA says:

      Kanada muss auch unglaublich schön sein – deine Fotos waren ja wirklich traumhaft! Und ja, die Heimat zu entdecken kann eben manchmal auch das Fernweh stillen :)
      Ganz liebe Grüße <3

  3. Sue says:

    Liebe Anna,

    du sprichst mir aus der Seele! Just diesen Sommer will ich bewusst nicht in ferne Länder reisen, sondern meine Heimat wie ein Reisender wahrnehmen. Ich wohne in einer pulsierenden Region mit vielen Museen und Natur auf der anderen Seite.
    Der einzige Unterschied ist, dass ich nicht im Hotel übernachten werde, sondern in meiner geliebten Wohnung, und dass ich mit dem eigenen Auto sehr viel mobiler sein werde als sonst auf Reisen.

    1. ANNA says:

      Liebe Sue,
      das ist ein toller Vorsatz! Ich hoffe, du entdeckst viele neue Sache und lernst deine Heimat noch einmal ganz anders kennen :) Ganz liebe Grüße!

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