UNI-KOLUMNE: Aus dem Leben eines Erstis

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Ich kann mich noch sehr gut an meinen ersten Tag in der 5. Klasse, dem ersten Tag auf dem Gymnasium erinnern. Naja, eigentlich nur an einen bestimmten Moment. Nämlich den, als wir in Zweierreihen durch die riesige Schule geführt wurden, an einem Oberstufler vorbeigingen und dieser sagte: „Oh, die sind ja süß!“. Trotzig blickte ich dem mehrere Köpfe größeren Typen hinterher. Süß?! Ich fühlte mich an diesem Tag groß, ja eigentlich schon so gut wie erwachsen. Eventuell ein bisschen überwältigt, ein klein wenig eingeschüchtert. Aber mit Sicherheit nicht süß.

Und jetzt, bin ich wieder ein Ersti. Der ganz neu ist, auf einer Schule – oder pardon, jetzt eben Uni. Der keine Ahnung hat, wohin die Gänge führen, die er da gerade planlos entlangläuft. Der eigentlich auch nicht wirklich eine Ahnung hat, wann er denn jetzt wo sein sollte und wo (oder wieso) alle um ihn herum diese mysteriösen Texte und Folien ausgedruckt haben. Und „süß“ finden einen die älteren Studenten hier tendenziell auch nicht – eher nervig und aufgedreht. „Kommt mal wieder runter, ist doch nur Uni.“

Warum der Vergleich zu meinem prägenden Ereignis aus der fünften Klasse auch etwas hinkt? Weil meine alte Schule in meine Uni geschätzte zwanzig Mal hineinpassen würde. Weil es da immer so eine Klassenlehrerin gab, die gesagt hat, was für Hefte wir kaufen, welche Bücher wir einbinden und wo wir als nächstes hingehen sollen. Und achso, auch weil alles scheinbar wie von selbst vor sich hin lief: Man musste nur jeden Tag da sein, sitzen bleiben und später durfte man dann endlich wieder gehen.

Auf der Uni kann einem dagegen so ziemlich alles passieren, und niemand interessiert sich so wirklich dafür. Naja, meist auch die Studierenden selbst nicht wirklich. So manch eine saß in einer der ersten Vorlesungen eine geschlagene Viertelstunde unauffällig im Hörsaal, bis ihr auffiel, dass das wohl das falsche Fach sei. Aber es könnte genauso auch vorkommen, dass man nur eine seltsame Frist nicht einhält und schon irgendwie und ganz mysteriös exmatrikuliert wird. Eigentlich, dachte ich, kann so etwas ja nicht wirklich passieren. Dann wieder merkte ich, dass ich einer von so vielen bin, dass es wahrscheinlich auch keinem auffallen würde, wenn ich einfach nicht mehr eingeschrieben wäre. Also, besser mal nichts riskieren.

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Um meine sorgfältig aufgebaute Tarnung – bestehend aus wissendem Pokerblick, Jutebeutel und Coffee to Go – ganz schnell wieder auffliegen zu lassen, erhielt ich dann übrigens gleich am ersten Tag eine leuchtend neongrüne Tüte mit Ersti-Aufschrift und ein Ersti-Band, für die ganzen Feierspecials.

Letzteres ist sowieso der Teil, in den man als Ersti ganz besonders schnell hineinfindet. Egal ob Kneipentour, Barhopping, oder Clubspecial: Jeden Abend wird man von irgendjemandem in irgendeine andere Ecke der Stadt gezogen. Soweit eigentlich ganz entspannt, das Studentenleben, denkt sich also der naive Ersti. Und die alten Uni-Hasen lachen sich dabei heimlich ins Fäustchen und freuen sich schon, wenn der Nachwuchs in die erste Prüfungsphase kommt.

Aber, bis dahin ist noch ein bisschen Ersti-Sein angesagt.

Edit: Der Text sollte eigentlich schon vor einigen Wochen veröffentlicht werden – zu dem Zeitpunkt, an dem ich ihn auch geschrieben habe. Mittlerweile ist das gesamte Uni-Leben natürlich schon viel weniger einschüchternd und die Prüfungsphase auch gar nicht mehr so weit entfernt. Trotzdem wollte ich euch den Text nicht vorenthalten und bin gespannt, ob sich einige von euch auch damit identifizieren können. Und ja, ich plane auch, unter dem Stichwort „Uni-Kolumne“ regelmäßig ein paar Einblicke in meinen Uni-Alltag zu geben. Wie findet ihr das?

10 Comments

  1. Fyn says:

    Finde ich immer interessant, zu lesen wie sich Leute im Unileben zurechtfinden.
    Für mich war es überhaupt nichts, daher habe ich mich auch schon nach einem Semester aus dem Staub gemacht – aber andere gehen da total darin auf und schwärmen noch Jahre nach ihrem Abschluss von ihrer Studienzeit.
    Was studierst du noch gleich?

    Viel Erfolg auf jeden Fall :)

    1. ANNA says:

      Ja das stimmt, das ist wohl wirklich sehr abhängig vom eigenen Typ. Ich studiere Politikwissenschaften ;)
      Danke und ganz liebe Grüße! :)

  2. Mara says:

    Mir ging es letztes Jahr genauso!
    Vor allem verlaufen habe ich mich echt fast jeden Tag – obwohl mir das auch heute leider noch viel zu oft passiert, weil unsere Uni einfach so unglaublich verschachtelt ist! :D
    Und ja, so eine Uni-Kolumne fände ich klasse! :)

    1. ANNA says:

      Haha ja, und dann sehen die Räume teilweise so gleich aus, dass man sich gar nicht mehr zurecht findet :D
      Das freut mich sehr, ganz liebe Grüße an dich! <3

  3. Laura says:

    Ich finde die Kolumne klasse! Das Thema ist für mich ganz besonders interessant, weil ich selber noch studieren will. Zumindest ist das mein momentaner Plan, wenn meine Ausbildung beendet ist.
    Ich bin mit meinem Blog auf WordPress umgezogen und würde mich freuen, wenn du bei mir vorbei schaust und mir ein Feedback da lässt.
    Liebe Grüße,
    Laura von lauraskreativecke

  4. Marie says:

    Hallo Anna,
    toller Text…unbedingt weitermachen mit der Uni-Kolumne! Die ist auch für mich als Absolventin sehr interessant, weil man sich ein wenig in die eigene Anfangszeit zurück versetzt fühlt. Und eigentlich finde ich Erstis doch ein bisschen süß, weil sie so planlos und ängstlich sind….Entschuldige ;). Aber letztendlich findet man sich doch ganz schnell zurecht und kommt irgendwie durchs Studium, auch wenn hier und da einige Gefahren (Exmatrikulation ;)) lauern, also keine Sorge!
    Liebe Grüße
    Marie

  5. Mai says:

    Liebe Anna,

    mal wieder ein ganz ganz toller Text! An meinen ersten Tag auf dem Gymnasium kann ich mich auch noch ganz genau erinnern. Ich kam mir auch groß vor, wobei mich der Anblick der älteren schon etwas eingeschüchtert hat. Die sahen alle schon so erwachsen aus ;)

    Auf der Uni ist das jetzt natürlich anders, dort sieht man nicht sofort den Unterschied zwischen 1. und 6. Semestler. Wobei dir Aktion mit der Tüte schon wieder sehr lustig ist :D

    Liebste Grüße
    Mai von SPARKLEANDSAND.com

  6. Felise says:

    Was für ein toller Post – und ja, ich mag unbedingt mehr Kolumnen lesen!
    Und ich hab grad gelesen, dass du Politikwissenschaften studierst – find ich gerade richtig cool, da ich nach meinem Abi nächstes Jahr auch gerne den Studiengang studieren möchte :)

  7. Ricarda says:

    Ich erinnere mich noch an 2006 (oh Gott, 10 Jahre ist das schon her), als ich das erste mal meine Uni von innen gesehen habe. Ersti sein hatte ich mir total anders vorgestellt, als es dann war. Bei uns an der Uni in Hildesheim war das mit dem Feiern und den Kneipen eher nicht so wirklich vorhanden und auf der Mensa-Party war es so schlecht, dass ich nur ein einziges mal dort war. Damit ist mir dann die Entscheidung, fast täglich von Hannover nach Hildesheim zu pendeln, statt umzuziehen, auch wirklich nicht schwer gefallen. Tja, aber auch sonst habe ich mich als Ersti natürlich erstmal komisch gefühlt, wusste nicht, wo welcher Raum war etc. Aber das ging sehr schnell, ein paar Wochen, dann kannte ich alles und gefühlt auch alle Leute, die wichtig für mich waren und dann lief das Studium die nächsten 4 Jahre wie am Schnürchen.

    Ich wünsche dir jedenfalls eine ganz tolle Zeit an der Uni!

    Liebste Grüße,
    Ricarda von CATS & DOGS: http://www.wie-hund-und-katze.com

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