Wer sind wir eigentlich? Ein Blick hinter die Kulissen einer Welt, die uns in Typen einordnet

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Menschen lassen sich unterscheiden: Wenn von zwei verschiedenen Typen gesprochen wird, benutzen wir beispielsweise die Worte „extrovertiert“ oder „introvertiert“. Wir ordnen ein. In offen, kommunikativ, gesellig oder doch zurückhaltend, nachdenklich, schüchtern. Wissenschaftler sagen hierzu übrigens, dass sich genau diese Unterscheidung häufig in unserer Sprache ausdrückt: Extrovertierte sprechen schnell mal in Stereotypen, ausgesprochen deutlich und zeichnen in ihren Ausführungen oftmals ein schwarz-weißes Menschenbild. Introvertierte dagegen überlegen häufig lange, formulieren genau, bleiben in ihren Aussagen allerdings oft auch etwas undurchsichtig.

Aber nicht nur die Wissenschaft macht uns zu Typen, auch wir selbst. Wir ordnen uns gerne der einen oder anderen Ecke zu, wissen gerne, wie wir sind oder wer wir sind. Weil uns das eine ganze Menge Halt gibt, Sicherheit. Wir wissen, wer wir sind, wie wir sein können, was uns ausmacht. Wir können uns so akzeptieren. Aber dazu müssen wir eben erst einmal genau das wissen: Also wer wir sind – und was das für uns bedeutet.

In der Persönlichkeitspsychologie gibt es ein Modell, dass die unterschiedlichen Faktoren des Charakters in sich zusammenschließt und bewertet. Das sogenannte „Big Five“- oder OCEAN-Modell (hier in einem Artikel der Süddeutschen kurz erklärt) unterscheidet dabei zwischen fünf Kriterien: Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus. Klingt für mich erstmal genauso theoretisch wie jetzt gerade für euch, ist aber laut Wissenschaft ganz einfach auf uns selbst anzuwenden.

Damit werden dann nämlich Persönlichkeitsprofile entwickelt, die Forschern helfen, uns einzuschätzen. Und das ist wiederum für ganz andere Branchen interessant: Beispielsweise im US-Wahlkampf oder auch im Wahlkampf um das Brexit-Votum wurden solche Persönlichkeitsmodelle benutzt, um die Werbekampagnen zu personalisieren. Und schon wird der Mensch zu einer Art Handelsgut, zu einem geldbringenden Typus.

Wir sind nicht so unberechenbar, so individuell und einzigartig, wie wir denken. Oder?

Da sind sie also, die Schubladen – und sie sind nicht zu leugnen. Wir können uns einordnen, man kann uns einordnen. Wieso sonst sollten Forscher auf derartige Modelle setzen? Wieso sonst sollten solche Daten zu Werbezwecken und Wahlkämpfen eingesetzt werden? Wir können eingeordnet werden, wir entsprechen Stereotypen, die von der Wissenschaft entwickelt wurden. Wir sind nicht so unberechenbar, so individuell und einzigartig, wie wir denken. Oder?

Was ist es, was uns einzigartig und unterschiedlich macht? Diese Frage beantwortet der Persönlichkeitsforscher Dr. Brian Little in einem Ted Talk auf eine für mich sehr simple und doch vollkommen verständliche, wichtige Weise: Es sind unsere persönlichen Projekte, unsere eigenen Geschichten, unsere Wünsche und Ziele, die uns unterscheiden. Es sind unsere Herzensangelegenheiten, die uns ausmachen. Die das sind, wofür wir kämpfen und wofür wir stehen. Und genau diese Dinge sind es auch, die uns die Barrieren der Persönlichkeit brechen lassen. Die aus einem introvertiertem Menschen für kurze Zeit einen extrovertierten machen: Zum Beispiel, weil er sich für etwas Besonderes einsetzen möchte. Wir brechen mit den Typen, wenn wir das tun, was uns wichtig ist.

Das, was uns einzigartig macht, ist das, was wir tun. Die Dinge, für die wir uns einsetzen und die wir in die Welt hinaustragen, zeichnen das Bild unserer Persönlichkeit. Wir sind unberechenbar und individuell: Wir müssen nur auf uns selbst vertrauen. Egal in welcher Form.

2 Comments

  1. Caro says:

    Super interessanter Post muss ich mal sagen. Natürlich, irgendwie werden wir immer in Schubladen passen oder in bestimmte Kategorien, manche Eigenschaften hat nun mal ein jeder. Es ist wie mit solchen Momenten, wo man denkt man macht eine vielleicht für andere merkwürdige Sache und denkt, man ist die Einzige, die das macht. Bis sich dann irgendwann rausstellt, man ist doch nicht die einzige. Es gibt immer Leute, die einem ähnlich sind oder gleiche Eigenschaften haben, aber wie er und du auch schon meintet. Unsere Wünsche, Erfahrungen und so etwas, die sind einzigartig. Selbst wenn Leute genau das gleiche gemacht haben wie du, hast du es trotzdem anders wahrgenommen oder erlebt.

    1. ANNA says:

      Liebe Caro,
      ich finde es schön, wie du auch die andere Seite daran siehst: also, dass es schön sein kann, zu wissen, dass man nicht der oder die Einzige ist. Dein letzter Satz trifft es für mich auf den Punkt <3

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