Würdest du dein Happy End erkennen?

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Würdest du dein Happy End erkenne?

Ich sehe die letzte Szene des Films und ertappe mich dabei, wie ich aufatme. Wie wahrscheinlich der Großteil all der anderen Zuschauer im Kinosaal lasse ich von ganz tief unten eine riesige Menge Luft in meine Lungen ziehen. Ging gerade noch einmal gut aus. Der Regisseur hat uns genau das Happy End gegeben, das wir alle sehen wollten. Das wir gebraucht haben, um mit einem guten Gefühl aus dem Saal zu gehen. Nicht jeder Regisseur tut uns diesen Gefallen, aber der Großteil unter ihnen möchte dann anscheinend doch nicht verantworten, dass so viele Leute auf der ganzen Welt Kinosäle mit leeren Popcorntüten und diesem seltsam hohlen, unausgefüllten Gefühl verlassen.

Manchmal frage ich mich, ob diese Charaktere wohl jemals wissen würden, dass genau das ihr Happy End war. Diese eine Szene, die für uns als Zuschauer so klar ersichtlich ist. Die Szene, in der wir aufatmen, in der wir uns für die Hauptdarsteller freuen und uns sicher sind, dass jetzt alles gut werden würde. Aber würden auch sie selbst wissen, dass dies der gute, krönende Abschluss ihres Romans, dieser einen Geschichte war? Und auch wenn diese Charaktere nur fiktiv waren, frage ich mich weiter: Wenn es sie im realen Leben geben würde, mit realen Geschichten und realen Empfindungen – würden sie es merken, wenn sie ihr Happy End erreicht hätten? Oder würden sie ihr Leben schlichtweg weiterleben, ohne auch nur irgendwie zu bemerken, dass das gerade IHR Moment war – der, auf den sie die ganze Zeit hingelebt haben, auf den ihre Geschichte so lange gewartet hat?

„In dieser Hinsicht sind wir alle nur hilflose Marionetten, unwissende Charakter in unserem eigenen Film.“

Das Traurige daran ist doch: Wir können niemals wissen, ob es nun das Happy End war, das wir gerade erlebt haben, oder eben doch nur ein kleiner Höhepunkt unserer Geschichte. Ob es danach bergab gehen wird – oder vielleicht auch noch weiter bergauf. Oder beides. In dieser Hinsicht sind wir alle nur hilflose Marionetten, unwissende Charakter in unserem eigenen Film, dem Leben. Der Regisseur? Manche sagen das Schicksal, manche nennen einen Gott, manche sagen schlichtweg gar nichts dazu. Und ob das nun wichtig ist, das ist eine ganz andere Frage.

Auch, ob wir uns dadurch determiniert fühlen oder einfach nur vom Schicksal geleitet, bleibt jedem selbst überlassen. Aber manchmal, wenn wir einfach so vor uns hinleben, nicht an Geschichten glauben, tut es vielleicht ganz gut, an Happy Ends zu glauben. Dass sie immer wieder kommen können, und dass sie trotz ihrem Namen gar kein Ende bedeuten müssen. Dass wir sie vielleicht gar nicht erkennen können oder müssen, aber sie einfach durchleben. Und mit etwas Glück erinnern wir uns daran, dass sie Teil unserer Geschichte sind und erleben sie intensiv, nehmen sie in uns auf, anstatt sie vorbeiziehen zu lassen wie so manch langweiliger Filmcharakter es wohl tun würde. Ich glaube, dass wir nicht nur einen Film leben können, sondern das Set, die Nebendarsteller und die Handlung ändern können. Solange wir ihn bewusst leben, mit allen Zwischen-Happy-Ends und all den anderen.

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4 Comments

  1. Janine says:

    Du hast du recht, man weiß nie ob man sein happy end gerade gefunden hat. Doch Filme sind unrealistisch und genauso passiert es selten. Deswegen finde ich, habe ich mein happy end wenn ich glücklich bin, oder?

    Janine von Katzenauge Photography

    1. ANNA says:

      Es muss ganz sicher nicht so passieren wie in den Filmen – da hast du bestimmt Recht ;)
      Ganz liebe Grüße an dich <3

  2. Laura says:

    Der Text ist so schön geschrieben! Ich finde man sollte einfach jeden Moment genießen und auch die kleinen Dinge im Leben wertschätzen. Und wer das tut kann am Ende zurückblicken und wenigstens sagen, dass man viele kleine Happy Ends hatte :D :)
    Liebe Grüße,
    Laura von lauraskreativecke

    1. ANNA says:

      Danke, liebe Laura! Klingt nach einer guten Einstellung ;)
      Liebe Grüße <3

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