2016 (Ein Jahresrückblick und Zukunftsgedanken)

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Ein Jahr kurz vor seinem Ende, und irgendwie fühlt es sich immer mehr so an, als wäre unsere Welt das auch. Am Ende von dem, was sie in einem Jahr an Leid und Schrecken sehen, erfahren, hinnehmen kann. Ich bin mir sicher, dass für viele der Rückblick auf das letzte Jahr (zumindest in Hinblick auf die ganze Welt) mit einem ganz bestimmten, drückenden, einengenden Gefühl verbunden ist.

Brüssel, Paris, Nizza, Berlin. Dazwischen immer wieder das Blutvergießen in Syrien, das Leid der Menschen in Aleppo. Viele weitere Kriege, sinnlose Tote. Putin, Erdogan, Trump. Überall, an jeder Ecke, scheint es mehr weh zu tun, scheint unsere Welt ein bisschen mehr zusammenzubrechen, ein bisschen mehr zu leiden. Und wir, sehen uns machtlos. Sehen vielleicht schon gar nicht mehr hin. Alles zu komplex, alles zu weit weg, alles zu nah, alles zu zerstörend, um es an uns heranzulassen.

2016. Ich frage mich, ob ich später zurückblicken und vergleichend sagen werde: Was für ein grausames Jahr. Oder ob ich sagen werde, dass hier alles erst angefangen hat. Dass all das der Auslöser dafür war, dass noch mehr Populisten Erfolg bekommen haben, noch mehr Menschen mit ihren Lügen und ihrem Hass erreichen konnten. Ob ich sagen werde, dass all das nur der Anfang von einer großen Welle an Fremdenfeindlichkeit, Hass und Spaltung war. Dass ich mich schon gar nicht mehr an die Zeit erinnern kann, als seriöse Medien sich gegenüber Fake News behaupten konnten. Dass sich Menschen weiterhin in sinnlose Konflikte verwickeln und dabei unglaublich viele Menschenleben aufs Spiel setzen.

Städte, die im letzten Jahr durch grausamen Krieg unfassbar zerstört wurden, die mal Lebensraum waren und nun nur noch ein Ort des Schreckens. Hilflose Kinder, getrennt von ihren Eltern, die Spuren des Krieges haften ihnen so zerreißend deutlich an. Von Krankheiten geplagte Menschen, Angehörigen, denen aufgrund von furchtbaren Ereignissen der gesamte Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Allein die Vorstellung daran zerreißt mir schon das Herz – wie es für all die Betroffenen sein mag, kann ich mir nur im Entferntesten vorstellen.

All das macht mich einerseits unglaublich dankbar für das, was ich habe, für all die tollen Menschen, die zu meinem Leben gehören, für all die wundervollen Chancen, die ich bekomme, für ein Leben, das so viel leichter ist als das, was andere Menschen erhalten. Und gleichzeitig hat mir 2016 so oft wie nie zuvor bewusst gemacht, wie fragil dieses Gerüst, mein Gerüst, ist. Wie schnell ein Teil, eine Stütze, einfach wegbrechen kann, weg sein kann. So, dass nichts mehr ist wie vorher. Und ich selbst kann nichts tun, nur zusehen, versuchen zu begreifen und weiterzumachen.

Viele Dinge, die passieren, sind leider außerhalb unseres persönlichen Machtbereichs, an ihnen können wir nichts ändern. Aber es gibt auch unendlich viele Dinge, die wir verändern können. Wenn wir unseren Horizont erweitern, den ein oder anderen Schritt aus unserer Komfortzone treten, den Fokus nach vorne richten. Wir können versuchen, die bestmögliche Version von uns selbst zu sein – und damit dem Schrecken und Leid entgegenzutreten.

Ich denke, 2017 wird das Jahr, in dem wir uns das alle zum Ziel setzen könnten. In dem wir alle zusammenhalten, in dem wir zeigen, dass wir als Menschen eine Einheit sind. Zu unseren Werten stehen, füreinander da sein, Menschlichkeit betonen und sie vornean stellen. Ängste respektieren – aber ihnen auch entgegentreten. Die Welt gestalten, die wir uns wünschen. Und nicht eine hinnehmen, die von Hass geprägt ist.

An das Gute im Menschen zu glauben, ist nicht naiv, sondern eine Lebenseinstellung. Das Schlechte im Menschen dabei nicht aus den Augen zu verlieren, Teil des Lebens.

Ich denke, das Einzige, das wir alle tun können, ist so zu leben, dass wir das Gefühl haben, alles für uns Mögliche getan zu haben. Dass wir bewusst leben und die Menschen nicht vergessen, denen das Schicksal ganz besonders schwer mitspielt. Dass wir uns informieren, teilhaben und uns nicht in eine isolierende Blase einigeln. Dass wir uns nicht abstumpfen lassen, sondern mitfühlen und unsere Werte verteidigen. Und dass wir all denen unter die Arme greifen, nicht absacken lassen und ihnen das Gefühl geben, das wir alle auf der gleichen Welt leben, alle gleich sind und trotzdem verschieden. Ich hoffe, dass unsere Welt 2017 einen Schritt in diese Richtung macht.

 

Ein paar Gedanken, die ich mir 2016 dazu gemacht habe, findet ihr in diesen Artikeln:

“In Zeiten wie diesen (warum ich keine Lust auf Pessimismus habe)”
“Wird unsere Welt immer skrupelloser – oder sind es wir?”

Foto: Katja von amoureuxee.de

5 Comments

  1. Conny Wriedt says:

    Weil jetzt im Fernsehen gerade malwieder der “Herr der Ringe” lief…..
    Frodo: “Ich wünschte, all das wäre nie passiert.”
    Gandalf: “Das tun alle, die solche Zeiten erleben. Aber es liegt nicht in ihrer Macht, das zu entscheiden. Du musst nur entscheiden, was du mit der Zeit anfangen willst, die dir gegeben ist.”
    Passt doch, oder?

    1. ANNA says:

      Das passt sogar sehr gut! Danke für diesen schönen Kommentar.

  2. Caro says:

    Ich hoffe sehr, dass 2016 nicht erst der Anfang von allem ist. Ich hoffe das war einfach ein doofer Ausrutscher, wo einfach alles schief gehen konnte was ging. Ich habe Hoffnung, dass 2017 es wieder bergauf geht, dass wir nicht mehr so viele schlimme Sachen erleben müssen. Es wird nie überall Frieden geben, aber du verstehst denke ich was ich meine. Ein bisschen bin ich froh, dass die Welt 2016 genauso doof fand, wie ich persönlich. Es war für fast niemanden vom Gefühl her ein gutes Jahr. Auf das 2017 besser wird.

  3. Mara says:

    Sehe ich genauso!
    Ich hoffe einfach, dass 2017 wieder ein bisschen menschlicher wird und wir zumindest versuchen, positiv zu denken und das Beste aus allem zu machen!

    Und du hast dich auch in Passau beworben? Ohh, das wäre ja echt cool gewesen!
    Aber München klingt bei dir auf Instagram auch immer richtig klasse! :)

    Ganz liebe Grüße!

  4. Ein neues Jahr, meine persönlichen Ziele | ANNA-E says:

    […] einem sehr nachdenklichen Jahresrückblick und -ausblick, den ich vor einigen Tagen veröffentlicht habe, möchte ich dem heute noch etwas hinzufügen: 2016 […]

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