“Machen wir mal wieder etwas Verrücktes – so wie damals”

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“Machen wir mal wieder etwas Verrücktes – so wie damals.” Können wir einen Satz wie diesen mit 20 überhaupt schon sagen? Ich lache über den Vorschlag, weiß aber genau, was gemeint ist. Diese Unbeschwertheit, dieses Nicht-an-morgen-Denken, ein Leben ohne Verantwortung. Bis gerade eben war mir gar nicht wirklich bewusst, wie sich all das verändert hat. Wir waren anders mit 15, 16, 17, 18 – irgendwie fing hier alles erst richtig an. Mit dem Ende der Schule, den ersten Reisen, unseren ersten Entscheidungen und den ersten Wegen, die wir ganz alleine wählten. Zwar gibt es auch jetzt immer noch tausend neue Anfänge, laufend beginnt etwas Neues, es ist immer noch alles so unbestimmt und ich weiß nicht, in welche Richtung mein Leben gehen wird. Aber mir war gar nicht bewusst, dass wir nicht mehr ganz so unbeschwert sind, so unbedacht, wie früher. Dass wir uns so sehr verändert haben. Wir blicken auf diese Fotos, 2012. Meine Haare, damals hüftlang, gehen mir heute bis zum Kinn. In unseren Augen ist dieses Kindliche, das immer noch in ihnen steckt, nur etwas verborgener. Wir lachen auf eine so unbeschwert-schüchterne Weise, dass ich uns nachträglich in die Arme schließen und beschützen will. Wir waren auf dem Weg zu einer unserer ersten Partys, um 12 Uhr mussten wir wieder zuhause sein.

Heute schließe ich meine Wohnungstür auf und komme nach Hause, ohne dass es mir jemand sagen muss. Partys ohne Open-End sind schon lange passé – denn das Ende finden wir mittlerweile alleine. Wir lachen auf eine andere Art, aber bestimmt nicht weniger. Immer öfter treffen wir uns, um zu reden – über die Welt, über uns, über eine Zukunft. Früher habe ich dich sofort angerufen, als ich von der Schule nach Hause kam und wir haben da weiter geredet, wo wir im Unterricht aufgehört haben. Es ging darum, wer in der Schulpause dies oder das gemacht hat, um Lehrer und Flechtfrisuren. Heute müssen wir uns verabreden, um ein paar Stunden zu telefonieren. Und eigentlich geht es hier zwar auch um die Flechtfrisuren, Lehrer und Klassenkameraden unseres heutigen Alltags – aber um noch so viel mehr, über das wir uns früher nie Gedanken gemacht hätten. Auf eine gewisse Weise ist es noch genau wie früher, wie 2012 – und doch ist etwas anders. Wir sind anders.

“Du hast dich verändert”, ist ein Satz, den wir nicht gerne hören, wenn er von engen Freunden kommt. Er hat einen negativen Beigeschmack, oft einen vorwurfsvollen Unterton. Als hätte man etwas zurückgelassen, was die gemeinsame Freundschaft ausmacht. Als hätte man damit alle Brücken abgerissen, alles weggeworfen, was früher mal war. Veränderung macht immer auch Angst, vor allem wenn sie nicht von einem selbst, von einer anderen Person kommt – und man entweder mitziehen oder zurückbleiben kann. Das passiert gegenseitig, immer wieder, egal wo wir wohnen, egal was wir tun.

Aber was ist, wenn wir uns gemeinsam verändert haben? Wenn Veränderung mittlerweile etwas ist, was uns verbindet. Im Nachhinein können wir an den Fotos von damals schon ablesen, wer wir heute sind. Und trotzdem steckt so viel Überraschung darin, so viele ungeahnte Wendungen, so viel neu erlangte Freiheit. Und ja, vielleicht wäre es an der Zeit, diese Freiheit mal wieder so richtig auszunutzen. Vernünftig sein können wir noch lange genug – und wenn wir unsere 2012-Ichs fragen würden, wären die sich bestimmt einig darin, dass jetzt genau die richtige Zeit ist, um etwas Verrücktes zu machen. Wenn nicht sogar die perfekte. Auf was warten wir also noch?

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1 Comments

  1. Krissi says:

    Das hast du echt total gut geschrieben und die Fotos sind super schön <3

    Es ist wirklich so: Wir sind natürlich noch sehr jung und wissen noch nicht genau, wohin uns das Leben führen wird. Aber wenn wir uns alte Fotos anschauen, kommen wir uns darauf so kindlich vor und jetzt so erwachsen. Aber in 5 oder 10 Jahren wird es uns mit den heutigen Fotos genauso gehen.

    Wenn ich an früher denke, an Kindergarten-,Grundschul und Unter-/Mittelstufezeiten im Gymnasium werde ich manchmal richtig melancholisch. Meine Freunde und ich sind raus gegangen, haben mit Sraßenmalkreiden Häuser auf die Straße gemalt und uns vorgestellt, wir würden darin wohnen. Sind mit Inlineskatern herumgecruist, haben Stunden auf dem Spielplatz verbracht, dort geschaukelt und uns gegenseitig im Karussel angeschubst. Sind geklettert, gerutscht, haben Fangen und Verstecken gespielt.
    Oder haben drinnen Barbie, Polly Pocket oder Playmobil gespielt. Stundenlang. Jeden Tag.
    Ich bin oft mit meinem Papa und Bruder in den Wald gegangen, habe geheime Höhlen gesucht und im Sommer sind wir mit Gummistiefeln durch den Bach gewatet.

    Diese Zeiten waren so schön und unbeschwert. Kein Stress, kein Liebeskummer oder sonstige große Sorgen. Manchmal vermisse ich das alles sehr. Andererseits ist es aber auch schön und sehr spannend, älter zu werden, neue Dinge zu erleben, auf eigenen Beinen zu stehen. Aber ab und zu an Früher zurückzudenken ist trotzdem sehr schön <3

    "Du hast dich verändert" hören wir vielleicht nicht immer gerne, aber jeder verändert sich doch im Laufe der Zeit und manchmal lebt man sich eben auseinander. Oder man wächst zusammen.

    Ganz liebe Grüße,
    Krissi von the marquise diamond
    http://www.themarquisediamond.de/

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