Personal: Wie wir von Touristen zu Reisenden wurden

Posted on

Vielleicht lag es an unserem beschränkten Budget, vielleicht auch an der Länge unserer Reise. Vielleicht lag es aber auch an unserer Einstellung zu unserem Abenteuer generell, dass wir langsam von simplen Touristen zu wirklichen Reisenden wurden.

Ich gehe am Strand entlang, Musik im Ohr, die Weite vor mir, die Weite hinter mir. Natürlich gibt es Menschen, Dinge, Aufgaben, Abenteuer, die zuhause auf mich warten – aber hier sind sie ganz weit entfernt. Es zählt dieser Moment, der Augenblick, all das hier einfangen zu können und für immer zu konservieren.

neuseeland-travel

Ich sitze an dem Abgrund, den Wind im Haar und das brausende Meer vor mir. Mir ist ein bisschen kalt, ein wenig Hunger habe ich auch. Aber das Grinsen ist trotzdem in meinem Gesicht. Ich bin dankbar, für all das, was ich hier gerade erlebe und noch erleben werde.

Zu genießen und frei zu sein, loszulassen. Wir rattern mit unserem kleinen Camper über die kurvigen Schotterwege, in unserem Kofferraum rumpelt unser gesamter Haushalt. Diese wenigen Quadratmeter auf vier Rädern sind gerade unser Zuhause, unser Rückzugsort. Denn den brauchen wir, um die Schönheit und die ganzen neuen Erfahrungen auch erst einmal verarbeiten zu können. Es sind die Nächte, Träume und tiefen Gedanken, die das Ganze vielleicht erst real werden lassen.

Am Anfang zogen wir los, mit viel Aufregung und der Kamera im Gepäck. Wir fühlten uns noch fremd, wie stille Beobachter, die sich nicht zu rühren trauten. Manchmal auch wie Eindringlinge, die alles festhalten und dokumentieren wollten. Oder aber wie ungebetene Gäste, die nicht wussten, wie sie sich verhalten sollten.

Aber irgendwann fing es an. Wir kamen rein, passten uns an und gleichzeitig auch nicht. Wir stürmten nicht von einer Sehenswürdigkeit zur anderen, nahmen an jeder Tour teil, die uns angeboten wurde.
Natürlich lag das auch an unserem Budget. Ein Helikopterflug über Milford Sound oder eine Raftingtour durch faszinierende Höhlen konnten wir uns einfach nicht leisten. Doch es war nicht nur das.

Eine Nacht verbrachten wir auf dem Parkplatz, der am nächsten an der berühmten “Cathedral Cove” liegt. Eine Art Höhle, durch die ein wundervoller Strand führt und die ein beliebtes Reiseziel in Neuseeland ist. Wir hatten sehr auf diesen Anblick hingefiebert, wunderschöne Fotos gesehen, tolle Berichte gehört.
Und trotzdem wurden wir irgendwie enttäuscht: Als wir am späten Vormittag am Strand ankamen, waren dort schon viele Menschen. Alle mit Foto bewaffnet und perfekt ausgerüstet. Und plötzlich verschwand die ganze Schönheit dieses fantastischen Ortes, weil wir uns wieder wie Eindringlinge fühlten. Wie Fremde, die diese Schönheit nicht schätzen. Wie in einer touristischen Blase, die das leidenschaftiche, tiefe und freie Reisegefühl verdrängt.

Vielleicht lag es auch daran, dass wir die letzten Strände stets für uns alleine hatten. Dass hier niemand neben uns lag und wir uns nicht wie in einer Konservendose fühlten. Dass wir die unendliche Weite einatmen konnten und nicht das Gefühl hatten, gleich zu ersticken. Dass wir sonst Fotos machen konnten, um Schönheit einzufangen, aber nicht, um alles zu dokumentieren.

Ich denke nicht, dass ich dieses Gefühl wirklich beschreiben kann und ich denke auch nicht, dass ich es sollte. Es zu finden, ist wundervoll. Es zu suchen, mindestens genauso. Bestimmt fehlt uns manchmal noch der richtige Blick, die pure Sicht auf unsere Reise, das vollkommene Loslassen. Vielleicht kommt das noch – wir haben ja noch einige Zeit hier vor uns.

1 Comments

  1. Krissisophie says:

    Ich möchte so gerne mal nach Neuseeland, es soll wirklich wunderschön sein! Ich wünsche euch noch weiterhin ganz ganz viel Spaß. :)

    Ganz liebe Grüße,
    Krissi von the marquise diamond
    http://themarquisediamond.de/

Leave a comment

Your email address will not be published.