Weg mit all dem, was mir die Luft zum Atmen nimmt

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Und: “Cut!”. Wenn es einen Regisseur in meinem Leben gäbe, würde er vermutlich genau das gerade schreien, während er sich selbstgefällig in seinem Klappstuhl zurücklehnt. Ein Neuanfang – oder überhaupt Anfang – kommt gerade auf mich zu: Ich ziehe in meine erste eigene Wohnung. Hierfür gibt es so unendlich viele Dinge zu erledigen, von denen ich vorher noch nie gehört habe, so viele Dinge zu klären, an die ich zuvor nie gedacht habe. Während ich mir bereits seit Wochen (ach was, Monaten!), all die vielen Momente in dieser eigenen Wohnung vorstelle, freue ich mich vor allem auf eines: Luft. Für mich.

Ich will selbst “Cut!” schreien und endlich ordnen, was es zu ordnen gibt. Will nicht ständig zwischen den Seilen hängen, meine kleine Reisetasche und meinen Rucksack in der Hand. Ich will endlich diesen Kleiderschrank, in dem ich jedes Stück liebe und täglich tragen möchte. Ich möchte wieder den Überblick über all die Dinge, die ich besitze, all die Bücher, die sich in meinen Regalen bis zu Decke stapeln, über die Berge an Dingen, die ich gerne einfach auf meinem Boden verteile. Weg mit all dem, was mir die Luft zum Atmen nimmt!

Der Umzug gibt mir die Möglichkeit, meine Sachen genau zu sortieren und all das wegzugeben, was mich zu erdrücken scheint. Ich will Freiraum in meiner Wohnung, Weite, Klarheit. Nicht fünftausend Klamottenstapel, willkürlich verteilt.

Ich stehe gerade in einer leeren Wohnung mit vier kahlen Wänden. Und einigen Kartons vor mir. Versuche mir vorzustellen, wie ich diesen innerhalb der nächsten Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre Leben einhauchen werde. Es ist, als säße ich an meinem Schreibtisch, vor mir nur ein leeres Blatt und ich müsste mich entscheiden, wie ich aus diesem Blankopapier ein Kunstwerk mache.

Um mich ein bisschen besser zu verstehen, muss ich zuvor noch etwas über mich sagen: Ich bin kein Fan dieser cleanen, ganz weißen Instagram-Accounts, in denen vor lauter weißer Farbe gar nichts mehr zu erkennen ist, auf denen jedes Bild komplett gleich aussieht. Das ist nicht meine Definition von Minimalismus. Wenn ich morgens aufstehe, werfe ich sämtliche Klamotten auf mein Bett, ich muss sie an einer Kleiderstange hängen sehen, um mir vorstellen zu können, wie ich sie kombinieren könnte. Mein Schreibtisch ist voll von Papieren, Skizzen, Schriften, einer abgebrannten Duftkerze, einer Tasse Kaffee und meist noch viel mehr. Ich brauche das Chaos, irgendwie, aber in einem Maße, in dem es mir nicht die Luft zum Atmen nimmt. Das soll mein Minimalismus sein. Ich hoffe, ihr versteht?

Deswegen habe ich mir selbst 3 Rituale für meinen ganz persönlichen Minimalismus überlegt, die ich gerne einhalten möchte:

1. Regelmäßig ausmisten

Dieser Punkt wird mir vermutlich gar nicht so schwer fallen, denn ich miste sehr gerne aus. Wenn ich ein Teil lange nicht getragen habe, freue ich mich darauf, wenn ich es weitergeben kann und Platz in meinem Kleiderschrank geschaffen wird. In den letzten Monaten habe ich angefangen, meine alten Sachen über Kleiderkreisel zu verkaufen – und das war tatsächlich schon sehr befreiend. Bisher habe ich hier aber nur Sachen reingestellt, die ich wirklich gar nicht mehr tragen würde. In meinem nächsten Schritt sollen es aber auch die Sachen sein, die ich selbst gar nicht schlecht finde, von denen ich aber weiß, dass ich sie so gut wie nie trage. Doch auch Ordner, alte Zeitschriften oder Papiere möchte ich regelmäßiger ausmisten. Der gewonnene Platz im eigenen Wohnraum schafft schließlich auch mehr Ordnung und Klarheit im Innern.

2. Lieblingsteile

Gerade habe ich von meiner Kleiderkreisel-Aktion erzählt, schon kann ich hier auch gleich zugeben, dass dadurch mein Kleiderschrank leider nicht viel leerer wurde: Die Zeit, die ich aus diesem Grund auf Kleiderkreisel verbracht habe, war natürlich recht hoch – und dementsprechend oft habe ich dort tolle Teile für mich selbst entdeckt. So sind auch wieder ein paar neue Teile hinzugekommen… Bei diesen kann ich allerdings sagen: Sie sind absolute Lieblingsteile. Und das ist mein großes Ziel: Eine Wohnung, die nicht vollgestellt ist und überflutet von Reizen, sondern gefüllt mit einigen Lieblingsstücken. Nach diesen werde ich mich nach und nach auf die Suche machen.

3. Das große Ganze

Hier wäre ich auch schon bei meinem nächsten Punkt: Ich möchte auf jeden Fall auf Impulskäufe bei der Wohnungseinrichtung verzichten, sondern immer ein Konzept vor Augen haben. Meine momentane Horrorvorstellung ist es, dass ich innerhalb weniger Monate dieses eine Zimmer mit allem möglichen zugestellt habe, was ich spontan mitgenommen habe, bei Ikea gekauft oder geschenkt bekommen habe. Wenn ich ein Lieblingsstück finde, das in dieses Grundkonzept passt, darf es natürlich mitkommen. Generell möchte ich aber ganz bewusst kaufen und mich auf die Sachen beschränken, mit denen ich wirklich zu 100 Prozent zufrieden bin.

 

Wie definiert ihr Minimalismus? Und wie lebt ihr ihn?

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